Berlin (epd). Die heutigen Kinder und Jugendlichen der Generation Alpha sind laut einer neuen Sozialstudie sehr selbstbewusst, stehen aber auch unter einem extremen Leistungs- und Perfektionsdruck. So seien 96 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren der Meinung, gute Eigenschaften zu besitzen, heißt es in der am Dienstag in Berlin vorgestellten Untersuchung der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen Kinderförderung. 95 Prozent betrachteten sich als genauso wertvoll wie andere Menschen und 88 Prozent meinten, vieles mindestens so gut zu können wie andere.
Für die Studie wurden knapp 1.100 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren unter anderem zu Themen „Selbstwert“ und „Vorbilder“ befragt. Auch die unter Elfjährigen zeigen demnach ein positives Kompetenzgefühl: 94 Prozent glauben, vieles genauso gut oder besser zu können als andere Kinder.
Großer Leistungs- und Perfektionsdruck
Zugleich stehe ein großer Teil der Jugendlichen unter Leistungs-, Anpassungs- und Perfektionsdruck. So habe jeder zweite Jugendliche häufig Angst, etwas falsch zu machen. 54 Prozent der Befragten fühlen sich manchmal davon überfordert, die Erwartungen der Eltern zu erfüllen.
Studienleiter Holger Ziegler spricht von einer Generation, die sich selbst nicht prinzipiell negativ sieht: „Gleichzeitig wird aber deutlich, wie stark viele junge Menschen heutzutage unter Druck stehen.“
Vorbild Vater und Mutter
Beim Thema Vorbilder zählt für das Gros der Kinder und Jugendlichen laut dem Erziehungswissenschaftler nicht Ruhm, Status oder Schönheit, sondern Menschen, die da sind, helfen, zuhören und verstehen. 76 Prozent der Kinder und 64 Prozent der Jugendlichen hätten im privaten Umfeld ein Vorbild. Von diesen nannten 82 Prozent der Kinder und 77 Prozent der Jugendlichen ihre Eltern als Vorbild.
Dagegen orientieren sich Jugendliche mit niedrigem Status häufiger an medialen Vorbildern (59 Prozent) im Vergleich zu ihren Altersgenossen mit einem hohen Status (47 Prozent). Genannt werden Namen wie die Fußballer Toni Kroos und Lionel Messi, die Sängerinnen Billie Eilish und Taylor Swift oder der Youtuber MrBeast.
Deutlich mehr Sorgen bei armen Kindern
Auch die Wertewelt junger Menschen wurde für die Studie abgefragt. Dabei zeige sich, Kindern und Jugendlichen seien vor allem Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft und Chancengleichheit wichtig, sagte Ziegler. Zugleich fänden es mehr als 60 Prozent der Kinder wichtig, wie ein Kind aussieht und wie es angezogen ist.
Besonders deutlich wird laut Ziegler in der Untersuchung, in der unter anderem auch Kinder und Jugendliche der „Arche“ befragt wurden, dass soziale Ungleichheit nicht nur materielle Chancen beeinflusst. So gaben 28 Prozent der Jugendlichen mit niedrigem Status an, Sorgen zu haben, bei Jugendlichen mit hohem Status sind es 13 Prozent. 62 Prozent von ihnen haben Angst, Fehler zu machen, im Vergleich zu 40 Prozent bei hohem Status.
Hoher Social-Media-Konsum beeinträchtigt Selbstwert
Auch der Social-Media-Konsum wirkt sich laut Ziegler auf den Selbstwert junger Menschen aus. Bei Jugendlichen mit sechs oder mehr Stunden Social-Media-Nutzung pro Schultag sei der Anteil mit einem unterdurchschnittlichen Selbstwert fast dreimal so hoch wie bei Jugendlichen mit weniger als zwei Stunden Nutzung.



