Hannover (epd). Die deutsch-iranische Unternehmerin Jasmin Arbabian-Vogel fordert für Geflüchtete und andere Zuwanderer mehr Unterstützung bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. So sollte etwa die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen erleichtert werden, sagte die Gründerin und Geschäftsführerin eines interkulturellen Pflegedienstes in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Ich kenne eine Ärztin aus Syrien, die dort bereits drei Jahre in einer Klinik tätig war und jetzt hier in Deutschland als Putzkraft arbeitet.“
Den Betrieben und Unternehmen sollte zugetraut werden, die Kompetenzen etwa eines in Syrien ausgebildeten Physiotherapeuten oder einer ghanaischen Krankenpflegerin selbst zu überprüfen und gegebenenfalls durch Weiterbildungen zu ergänzen, sagte Arbabian-Vogel (57). Zudem sollten alle Migranten bald nach ihrer Einreise von spezialisierten Jobscouts begutachtet und beraten werden, um sie in geeignete Berufe und offene Stellen zu vermitteln.
Kritik an Asylpolitik
Die verschärfte europäische Asylpolitik und die zunehmend ablehnende Haltung gegenüber Migranten in Deutschland sieht die ehemalige Präsidentin des Verbandes der Unternehmerinnen in Deutschland äußerst kritisch. Manche Äußerungen von Politikern wie die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu kleinen Paschas oder zum Stadtbild trügen dazu bei, dass zunehmend mehr Menschen sich rassistisch äußerten. „Das ist das kleine Gift, das immer stärker in die Gesellschaft einsickert.“
Arbabian-Vogel hält es angesichts des Arbeitskräftemangels in Deutschland für einen großen Fehler, dass der sogenannte Spurwechsel aus dem Asylsystem in die reguläre Arbeitsmigration nur in Ausnahmefällen erlaubt ist. Stattdessen würden für viel Geld Fach- und Arbeitskräfte in Indien oder Kolumbien angeworben. „Wir verschwenden so unfassbar viel Potenzial.“ Menschen, die bewusst in Deutschland Schutz suchten, sollten unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus die Möglichkeit erhalten, sich möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Mitgebrachtes Potenzial als „Gamechanger“ nutzen
Nur dann hätten sie die Chance, Teil der Gesellschaft zu werden, betonte Arbabian-Vogel, die als Tochter einer Deutschen und eines Iraners in Teheran aufgewachsen ist und kurz vor ihrem 18. Geburtstag nach Deutschland kam. „Stattdessen zwingen wir junge Menschen dazu, jahrelang untätig in Gemeinschaftsunterkünften und von Sozialleistungen zu leben, und wundern uns, dass sie durchdrehen.“ Es könnte laut Arbabian-Vogel ein „Gamechanger“ für den deutschen Arbeitsmarkt sein, wenn das Potenzial, das jeder der geflüchteten Menschen mitbringe, auch genutzt werde. „Ohne Zuwanderer würde unser Land nicht funktionieren“, betonte sie.



