Leipzig (epd). Das diesjährige Bachfest Leipzig zelebriert die Kunst des Austauschs. Das Festival lädt unter dem Titel „Im Dialog“ ein. Bachfest-Intendant Michael Maul sagte kurz vor der Eröffnung am Donnerstag in Leipzig, das Festival sei „so dialogisch wie nie zuvor“. Erstmals habe die weltweite Bach-Community ein Herzstück des Programms mitgestaltet.
Bei einer mehrmonatigen Online-Abstimmung wurden die beliebtesten Kantaten Johann Sebastian Bachs (1685-1750) nach dem Prinzip einer Radio-Hitparade gekürt. Der erste Dialog sei also mit dem Publikum erfolgt, sagte Maul. Mehr als 8.000 Votings seien eingegangen.
Die „Top 50“ in zwölf Konzerten
Die „Top 50“ werden beim Bachfest in zwölf Konzerten von sechs Ensembles präsentiert - von Platz 50 bis Platz 1. Gestaltet werden die Aufführungen Maul zufolge von der „Champions League der Bach-Interpreten“. Erwartet werden unter anderem Philippe Herreweghe, John Eliot Gardiner, Ton Koopman und Hans-Christoph Rademann mit den Ensembles Collegium Vocale Gent, The Constellation Choir & Orchestra, Amsterdam Baroque Orchestra & Choir und die Gaechinger Cantorey.
Das Publikum wisse zuvor nicht, welche der Bach-Kantaten gespielt werden. Das Geheimnis werde erst beim jeweiligen Konzert gelüftet, hieß es. Insgesamt bietet das Bachfest bis zum 21. Juni rund 240 Veranstaltungen. Neben Konzerten sind auch Gesprächsformate, Führungen und ein Open-Air-Programm auf dem Leipziger Markt geplant.
Bachfest-Debüt für Harald Schmidt
Das Festival sollte am Donnerstagabend mit einem Konzert in der Thomaskirche eröffnet werden. Erstmals wird Entertainer Harald Schmidt erwartet. Der ausgebildete Organist werde dem Intendanten am 17. Juni beim Format „Maul trifft...“ Rede und Antwort stehen.
Die Bach-Medaille der Stadt Leipzig geht diesmal an die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Geehrt werde ein „einzigartiges Langzeitprojekt“. Seit 2006 verfolge die Stiftung in der Schweiz das Ziel, in monatlich stattfindenden Konzerten das gesamte Vokalwerk Bachs aufzuführen. Die Auszeichnung wird am 15. Juni verliehen.
Der Präsident der Stiftung in St. Gallen, Konrad Hummler, sagte: „Es ist offensichtlich, dass es eine Nachfrage nach Bach gibt und nach Spiritualität.“ Es gebe einen „Hunger nach religiösem Content“ - nicht nur im Konzertsaal und in den Kirchen, sondern auch in den sozialen Netzwerken, wo Konzerte der Bach-Stiftung ebenfalls zugänglich sind.
Internationales Publikum
Bach lebte und wirkte von 1723 bis zu seinem Tod 1750 als Thomaskantor in Leipzig. 2025 zog das Bachfest rund 75.000 Besucherinnen und Besucher an. In diesem Jahr sind Maul zufolge bereits Tickets an Gäste aus 56 Ländern verkauft worden.
Der Dirigent Ton Koopman, Präsident des Bach-Archivs Leipzig, sagte zur Kantaten-Hitparade, das Publikum habe sehr anspruchsvolle Kantaten ausgewählt. Grundsätzlich gebe es aber ohnehin „keine schlechten Bach-Kantaten, nur schlechte Aufführungen“. Bach komponierte allein mehr als 200 Kantaten. Bekannt wurde er vor allem auch für seine Passionen.
Ein zweiter Schwerpunkt des Bachfestes ist das Jubiläum „300 Jahre Clavierübung“, eine Bach-Sammlung von Werken für Tasteninstrumente. Erwartet wird dazu unter anderem der Pianist Andras Schiff.



