Bischof Wilmer sieht in der Ökumene eine Schlüsselrolle

Bischof Wilmer sieht in der Ökumene eine Schlüsselrolle
Hildesheimer Bischof blickt zum Abschied auch auf Versäumnisse
Kurz vor seinem Wechsel nach Münster blickt der katholische Bischof Heiner Wilmer auf prägende Jahre im Bistum Hildesheim zurück. Dabei spricht er über Versäumnisse, Verantwortung und betont den Stellenwert der Ökumene.
01.06.2026
epd
Von Charlotte Morgenthal (epd)

Hildesheim (epd). Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und künftige Bischof von Münster, Heiner Wilmer, will sich weiterhin auch in Rom stark für die Ökumene engagieren. „Ich halte die Ökumene weltweit für einen Schlüssel der Christenheit“, sagte der scheidende Hildesheimer Bischof am Montag bei einem Rückblick auf seine Amtszeit. „Ich finde wir gehören zusammen, als Kirche haben wir einen Dienst an der Gesellschaft.“

Angesichts der zunehmenden Komplexität in der Welt hätten die Menschen nur eine Chance, wenn sie unabhängig von ihren persönlichen Überzeugungen, Glaubensrichtungen und Ideologien zusammenhielten und miteinander redeten. In Niedersachsen stehe als europaweit einzigartiges Beispiel die Einführung des gemeinsamen christlichen Religionsunterrichts von evangelischer und katholischer Kirche für eine sehr gute Ökumene, sagte Wilmer. „Wir haben hier auf allen Seiten in aller Bescheidenheit gelernt, dass wir einander brauchen.“

Fehler während Corona-Zeit

Im Rückblick auf seine Amtszeit räumte Wilmer auch schmerzhafte persönliche Fehler während der Corona-Zeit ein. Es habe Fälle gegeben, wo der Enkel sich nicht von seiner Großmutter auf der Intensivstation oder Geschwister voneinander verabschieden konnten. Auch die Kirche habe den Fehler gemacht, nicht anders bei den Menschen zu sein. „Gesundheit ist nicht alles, sondern die Beziehung ist wichtiger.“

Eine hohe Priorität der katholischen Kirche bleibe die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, unterstrich Wilmer. Er stehe zu dem von ihm 2018 geäußerten Satz, dass der Machtmissbrauch in der DNA der Kirche liege. „Überall, wo wir Menschen in Gruppen zusammen sind, gibt es die Gefahr, dass Macht missbraucht wird.“

Aufarbeitung bleibt Priorität

Im Bistum Hildesheim laufe derzeit eine dritte Aufarbeitungsstudie, die auch seine Amtszeit umfassen werde und die im Jahr 2027 ihren Abschluss finden solle, erläuterte Wilmer zu seinem Abschied aus dem Bistum, das er seit 2018 leitet. „Ich habe mir, als ich anfing als Bischof, nicht vorstellen können, dass es dieses Ausmaß auch an Vertuschung und an Vergehen an Menschen gegeben hat.“

Es sei gut, dass die Kirche inzwischen mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeite, sagte Wilmer. Dazu gehöre es, den Anschuldigungen nachzugehen, dass Täter bestraft würden und dass die Kirche sich um die Betroffenen kümmere.

Suche nach Nachfolger beginnt

Wilmer wird am 21. Juni in sein Amt als 77. Bischof des mit 1,6 Millionen Katholiken mitgliederstärksten deutschen Bistums Münster eingeführt. Anschließend kommt im Bistum Hildesheim das Domkapitel zusammen, um einen Diözesanadministrator zu wählen, der das Bistum mit seinen 490.000 Mitgliedern bis zur Ernennung eines neuen Bischofs leitet. Das Domkapitel wird eine Liste mit drei Kandidaten über den Nuntius in Berlin nach Rom weiterleiten, wo Papst Leo XIV. möglicherweise auch unabhängig von der Liste einen neuen Bischof ernennen wird.