Genf, Berlin (epd). Der frühere Generalsekretär des Weltkirchenrates, Konrad Raiser, hat der Organisation sein persönliches Archiv überlassen. Es handele sich um seine gesammelten Unterlagen, Korrespondenz, Artikel, Reden sowie akademische Vorträge im Zeitraum von 1969 bis 2025, sagte der 88-Jährige dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. Die Unterlagen spiegelten die „Entwicklung der ökumenischen Bewegung in diesen Jahrzehnten wider“. Das ÖRK-Archiv decke als einzigartige Quelle für historische Forschung nicht nur kirchliche Entwicklungen, sondern auch bedeutende Prozesse des gesellschaftspolitischen Wandels ab.
Der evangelische Theologe Raiser gilt seit den 1980er Jahren als Vordenker der Ökumene. „Da ich das Privileg hatte, an diesen bedeutenden Prozessen teilzunehmen und in Führungspositionen des ÖRK tätig zu sein, war ich der Meinung, dass mein schriftliches Vermächtnis in das Archiv des ÖRK gehört“, fügte er hinzu: „Für Wissenschaftler, die sich für die Geschichte des ÖRK interessieren, könnten diese Unterlagen eine wichtige Quelle darstellen.“
Lebensthema Ökumene
Der am 25. Januar 1938 in Magdeburg geborene Raiser stand von 1993 bis 2003 als erster Deutscher an der Spitze des globalen Dachverbandes von heute mehr als 350 Kirchen aus mehr als 120 Ländern, der nach eigenen Angaben weltweit mehr als 580 Millionen Christinnen und Christen vertritt. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber mit dem ÖRK zusammen. Raiser war unter anderem seit den 1980ern Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Seine Frau Elisabeth war evangelische Präsidentin des ersten Ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin.



