Wilmer: Enzyklika von Papst Leo bietet "Leitplanken für die Zukunft"

Wilmer: Enzyklika von Papst Leo bietet "Leitplanken für die Zukunft"
In seiner ersten Enzyklika beschreibt Papst Leo XIV. Künstliche Intelligenz als "wertvolles Hilfsmittel" und riskant zugleich. Der Bischofskonferenz-Vorsitzende Wilmer sagte, das Lehrschreiben sei Wegweiser in einer Welt im tiefgreifenden Umbruch.

Rom, Bonn (epd). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat Papst Leos erste Enzyklika zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) gewürdigt. Er sei dankbar „für dieses wegweisende Dokument, das mit dem Maßstab der katholischen Soziallehre pointiert die Gegenwart analysiert und Leitplanken für die Zukunft bietet“, sagte Wilmer am Montag vor Journalisten und Journalistinnen in Bonn. Im Mittelpunkt stehe der Mensch als Gemeinschaftswesen, der sich seine Menschlichkeit angesichts technischen Fortschritts bewahren soll. Damit komme die „Magnifica Humanitas (Großartige Menschheit)“ zur rechten Zeit in eine Welt im tiefgreifenden Umbruch.

Der Grundgedanke des Lehrschreibens laute, Technologie sei nicht neutral, sagte der amtierende Hildesheimer und künftige Münsteraner Bischof Wilmer. Sie werde von den Tech-Unternehmen geprägt, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen. Daraus leite Papst Leo den Appell ab, mit einem Ehrenkodex eine Welt „im Guten aufzubauen“. Für Staaten, Interessenvertretungen und den Einzelnen heiße das, Begegnungen miteinander und Verantwortung füreinander dürften nicht an eine KI und Algorithmen abgegeben werden. „Maschinen dürfen nicht über Leben und Tod entscheiden“, betonte der Bischofskonferenz-Vorsitzende mit Blick auf hybride Kriege.

Warnung vor „Risiko einer schiefen Entwicklung“

Die am Montag in Rom präsentierte Enzyklika widmet sich den Auswirkungen der KI auf die Menschen. KI sei ein „wertvolles Hilfsmittel, das Vorsicht erfordert“, schreibt Papst Leo. Er beschreibt die Gefahr der Intransparenz und das erhöhte „Risiko einer schiefen Entwicklung, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen, Manipulationen und Ungerechtigkeit erzeugt“.

Das erste Lehrschreiben von Papst Leo umfasst im italienischen Original 105 Seiten und ist in fünf Kapitel unterteilt. Auf Deutsch erscheint „Magnifica Humanitas“ am 29. Juni im Verlag Herder. Die Enzyklika ist auf den 15. Mai datiert - den 135. Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika „Rerum Novarum“ von Leo XIII. (1810-1903). Die 1891 veröffentlichte Enzyklika gilt als Grundlagentext der katholischen Soziallehre.