Rom (epd). Papst Leo XIV. hat seine erste Enzyklika zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) veröffentlicht. Das Lehrschreiben mit dem Titel „Magnifica Humanitas“ („Großartige Menschheit“) widmet sich den Auswirkungen auf die Menschen und ihr Zusammenleben. Der Text wurde am Montag im Beisein des Papstes im Vatikan der Öffentlichkeit präsentiert.
KI sei ein „wertvolles Hilfsmittel, das Vorsicht erfordert“, schreibt Papst Leo. Er geht in seinem Text sowohl auf die Schnelligkeit der Entwicklung ein als auch auf diejenigen, die die Kontrolle darüber haben. Diese liege nicht in der Hand der Staaten, sondern von „großen wirtschaftlichen und technologischen Akteuren“.
Gefahr der Ausgrenzung
Das berge die Gefahr der Intransparenz und erhöhe „das Risiko einer schiefen Entwicklung, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen, Manipulationen und Ungerechtigkeit erzeugt.“ Leo thematisiert auch die Auswirkungen von KI auf die Umwelt. „Aktuelle KI-Systeme erfordern große Mengen an Energie und Wasser, haben erhebliche Auswirkungen auf den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß und verbrauchen Ressourcen in großem Umfang“, schreibt er und fordert die Entwicklung von nachhaltigeren technologischen Lösungen.
Die Menschheit befinde sich in einem „Epochenwandel“. „Die von Gott geschaffene großartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen“, schreibt der Papst im ersten Satz der Einleitung.
Die Wahl zwischen Babel und Jerusalem
Das Bildnis von der Wahl zwischen Babel und Jerusalem zieht sich als roter Faden durch den Text, der im italienischen Original 105 Seiten umfasst. Dabei steht Babel symbolisch für die Selbstliebe der Menschen und Jerusalem für einen Ort, in dem die Gemeinschaft und die Gottesliebe im Vordergrund stehen.
„Magnifica Humanitas“ ist auf den 15. Mai datiert - den 135. Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika „Rerum Novarum“ von Leo XIII. (1810-1903). Diese wurde 1891 vor dem Hintergrund der Industrialisierung und der sozialen Not vieler Arbeiterinnen und Arbeiter veröffentlicht und gilt als Grundlagentext der katholischen Soziallehre.



