Hamburg (epd). Die Religionswissenschaftlerin Inken Prohl blickt kritisch auf Künstliche Intelligenz (KI). „Ich sehe die Gefahr, dass das, was wir Wissen nennen, schleichend zu etwas anderem wird: Wissen verwandelt sich in Glauben“, sagte Prohl der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“.
Die Professorin von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sagte in dem am Donnerstag erschienenen Interview, anfangs habe sie Antworten einer KI noch mit anderen Quellen abgeglichen. „Aber es wird zunehmend verführerisch, ihr einfach zu glauben“, sagte sie. Dabei sei die Entstehung der Antworten „intransparent und unüberprüfbar“. „Aber es sind gerade diese Antworten, die unser Verständnis von Wissen immer stärker prägen“, sagte Prohl.
Maschinen schaffen Transzendenz
Der Mensch gebe Souveränität an eine Technologie und Selberdenken auf. Das kulturelle Risiko einer Künstlichen Intelligenz bestehe gerade darin, dass sie bequem sei: „Sie macht menschliche Urteilskraft verzichtbar.“
Prohl sagte, im Umgang mit einer KI können Transzendenz entstehen, eine „Erfahrung, in der Menschen sich auf eine Sphäre oder Instanz beziehen, die in ihrer Vorstellung außerhalb ihrer selbst steht“. Das richte sich dann nicht auf ein vorgestelltes Jenseits, sondern auf ein technisch hervorgebrachtes Gegenüber: „Diese neue Form der Transzendenz wird von Maschinen generiert.“




