WHO-Chef besorgt über Tempo und Ausmaß des Ebola-Ausbruchs

WHO-Chef besorgt über Tempo und Ausmaß des Ebola-Ausbruchs
Das genaue Ausmaß des Ebola-Ausbruchs im Ostkongo ist noch nicht klar. Mehr als 500 Verdachtsfälle wurden zuletzt registriert. Bundesentwicklungsministerin Alabali Radovan hat erste Hilfen angekündigt.
19.05.2026
epd
Von Jan Dirk Herbermann (epd)

Genf (epd). Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, warnt vor einer raschen Ausbreitung des Ebola-Ausbruchs im Osten der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und darüber hinaus. Er sei sehr besorgt über das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Epidemie, sagte Tedros am Dienstag vor der Weltgesundheitsversammlung in Genf.

Das Notfallkomitee der WHO werde am Nachmittag zusammenkommen, um Empfehlungen zu geben. Beunruhigend sei, dass Fälle der hochansteckenden Krankheit in städtischen Gebieten gemeldet worden seien, darunter in Ugandas Hauptstadt Kampala und in der Millionenmetropole Goma im Kongo, sagte Tedros. Zudem habe es Todesfälle unter dem Gesundheitspersonal gegeben. Das deute auf eine Übertragung der gefährlichen Bundibugyo-Variante des Erregers im Gesundheitswesen hin.

Gesundheitsnotstand ausgerufen

Der Ebola-Ausbruch im Kongo war vergangenen Freitag gemeldet worden. Die WHO hatte am Sonntag einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Gegen die für den Ausbruch verantwortliche Virus-Variante gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Bislang wurden 513 Verdachtsfälle und mutmaßliche 131 Todesfälle registriert, wie die kongolesische Nachrichtenagentur ACP am Montag unter Berufung auf Behördenangaben berichtete.

Die WHO und Partner unterstützen den Ausbau der Überwachung, der Kontaktverfolgung, der Testkapazitäten und der klinischen Versorgung. Zwölf Tonnen Hilfsgüter sollen verteilt werden. Zudem prüft die WHO, welche Impfstoffkandidaten oder Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen.

Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sagte, die Lage sei „extrem ernst“. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union habe für den gesamten Kontinent den Notstand ausgerufen. Alabali Radovan kündigte die Lieferung von 500 Schutzanzügen in der nächsten Woche an. Zudem sei ein „Schulungsmarathon zum sicheren Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen“ in Vorbereitung.

Gebiet seit Jahrzehnten umkämpft

Der Ausbruch betrifft laut WHO mittlerweile zehn Gesundheitszonen in der Ituri-Provinz. Auch in der benachbarten Provinz Nord-Kivu seien Fälle erfasst worden. Das Nachbarland Uganda habe zwei importierte Fälle bestätigt. Die genaue Zahl der Infektionen sei jedoch unbekannt.

Das von dem Ausbruch betroffene Gebiet im Ostkongo ist schwer zugänglich. In der Region kämpfen seit Jahrzehnten bewaffnete Gruppen um die Kontrolle über Rohstoffvorkommen. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Nach Einschätzung der Würzburger Tropenmedizinerin Sabine Gies besteht kein erhöhtes Infektionsrisiko außerhalb der betroffenen Regionen. Es gebe dort zwar zahlreiche Goldminen und dadurch Waren- und Personenverkehr, sagte die Medizinerin vom katholischen „medmissio - Institut für Gesundheit Weltweit“ in Würzburg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Eine internationale Ausbreitung sei dennoch unwahrscheinlich, weil an stark frequentierten Grenzübergängen Temperaturkontrollen und Befragungen durchgeführt werden, um mögliche Infizierte ausfindig zu machen.

Das Ebola-Fieber ist eine hochansteckende, schwere Infektion. Eine unbehandelte Erkrankung verläuft laut Robert Koch Institut (RKI) in 30 bis 90 Prozent der Fälle tödlich.