Genf, Berlin (epd). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda als internationalen Gesundheitsnotstand eingestuft. Alles deute darauf hin, dass es sich um einen potenziell weitaus größeren Ausbruch der hochansteckenden und oft tödlich verlaufenden Infektionskrankheit handele als derzeit bekannt, erklärte die WHO am Sonntag in Genf. Es handele sich jedoch nicht um eine Pandemie, betonte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.
Die WHO sprach von einem erheblichen lokalen und regionalen Ausbreitungsrisiko. Der Ebola-Ausbruch in den beiden afrikanischen Ländern wird auf die sogenannte Bundibugyo-Variante des Virus zurückgeführt. „Der Bundibugyo-Stamm unterscheidet sich vom häufiger vorkommenden Zaire-Stamm dadurch, dass es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung gibt“, erklärte „Ärzte ohne Grenzen“ in Berlin.
Mehr als 80 Todesfälle
Bis Samstag wurden laut WHO in der kongolesischen Provinz Ituri acht laborbestätigte Krankheitsverläufe und 246 Verdachtsfälle gemeldet. Die WHO nannte 80 mutmaßliche Todesfälle. Am Samstag sei zudem ein laborbestätigter Fall in der Hauptstadt Kinshasa gemeldet worden.
Ferner wurden den Angaben nach in Ugandas Hauptstadt Kampala innerhalb von 24 Stunden zwei laborbestätigte Fälle bei zwei Reisenden aus dem Kongo erfasst. In einem Fall sei der Tod eingetreten.
„Äußerst besorgniserregend“
Die Leiterin des Nothilfeprogramme von „Ärzte ohne Grenzen“, Trish Newport, mahnte am Samstag: „Die Zahl der Fälle und Todesfälle, die wir in so kurzer Zeit beobachten, ist äußerst besorgniserregend. Dazu kommt die Ausbreitung über mehrere Gesundheitszonen hinweg und nun auch über die Grenze hinweg in Uganda.“ Die Hilfsorganisation bereitet sich nach eigenen Angaben auf einen Großeinsatz vor.
Derzeit bestehen laut WHO „erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der tatsächlichen Zahl der Infizierten und der geografischen Ausbreitung“. Auch sei der epidemiologische Zusammenhang mit bekannten oder vermuteten Fällen nur begrenzt bekannt.
Hohe Sterblichkeit
Die WHO will Hilfe mobilisieren und gab eine Reihe von Empfehlungen. So sollten die betroffenen Länder ihre nationalen Katastrophenmechanismen aktivieren und eine Notfallzentrale einrichten. Das Geschehen erfordere internationale Zusammenarbeit, um das Ausmaß zu erfassen, die Überwachungs-, Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen zu koordinieren, die Einsätze auszuweiten sowie Kontrollen sicherzustellen. Die WHO will einen Notfallausschuss einberufen.
Der Notstand wurde gemäß den internationalen Gesundheitsvorschriften ausgerufen. Laut „Ärzte ohne Grenzen“ ist Ebola eine Infektionskrankheit, an der 30 bis 90 Prozent der Erkrankten sterben.




