Fantasie an die Macht, Männer!

Männer
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Der Feiertag könnte auch genutzt werden, um über zugewandte und gewaltfreie Formen von Männlichkeit nachzudenken.
Forscher zu Rolle von Männern
Fantasie an die Macht, Männer!
Der Männlichkeitsforscher Toni Tholen findet, der Vatertag könne Anlass zur Reflexion über die Männerrolle sein. Zugleich beobachtet er eine Rückkehr tradierter Rollen.

Nach Einschätzung des Literaturwissenschaftlers und Männlichkeitsforschers Toni Tholen bleiben die oftmals mit viel Alkohol verbundenen Vatertags-Touren auch weiterhin ein prägendes Bild an Christi Himmelfahrt.

"Manchmal denke ich, dass vielen Männern im Umgang mit ihrer männlichen Identität leider oft nicht mehr einfällt, als das zur Schau zu stellen, was sie schon immer konnten: Saufen und Grölen und den starken Mann markieren", sagt er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Professor an der Universität Hildesheim regt dagegen eine kritische Auseinandersetzung mit Männerbildern anlässlich des Vatertages an. Der Feiertag könne genutzt werden, um über zugewandte und gewaltfreie Formen von Männlichkeit nachzudenken, sagt er.

Männlichkeit als Schlüsselthema

"Himmelfahrtstouren könnte man ja auch mal unter die Losung stellen: Fantasie an die Macht, Männer, damit es endlich anders wird!" Auch die Kirchen sollten in diesem Sinne stärker Angebote zur Reflexion von Männlichkeit machen. Tholen sieht Männlichkeit als gesellschaftliches Schlüsselthema, das von heftigen Debatten und Auseinandersetzungen begleitet werde.

"Während die einen verschwiegen oder ganz explizit einer männlichen Dominanz zustimmen, schließen sich andere Männer verstärkt der feministischen Kritik an und beteiligen sich zugleich daran, andere, nicht dominante, fürsorgliche männliche Existenzweisen zu befördern."

Neue Familienkonstellationen

Ähnlich sei es bei der Vaterrolle: Das traditionelle Bild von einem Vater als Hauptversorger und Bestimmenden innerhalb einer heteronormativen bürgerlichen Familie werde vor allem in politisch rechten Kreisen vertreten. Andere gesellschaftliche Strömungen verorteten das Vatersein hingegen in einem gleichberechtigten Verhältnis der Geschlechter, sagt Tholen.

Dabei gehe es um eine neue, emotional zugewandte und liebevolle Weise des Vaterseins. Auch nicht-binäre oder Patchwork-Konstellationen seien vorstellbar. "Allerdings sind sie momentan verstärkt Widerständen und zum Teil Anfeindungen ausgesetzt", erläutert er. Ein Rückwärtstrend sei gerade auch bei jungen Männern zu beobachten. Zudem bremse die wirtschaftliche Krisenlage die Chancen für Väter, sich durch flexible Arbeitszeitmodelle vermehrt an der Familien- und Sorgearbeit zu beteiligen.