Weitere Rettung durch "Sea-Watch 5" nach libyschem Beschuss

Weitere Rettung durch "Sea-Watch 5" nach libyschem Beschuss
Das Rettungsschiff "Sea-Watch 5" ist nach eigenen Angaben von der libyschen Küstenwache mit scharfer Munition angegriffen worden. Danach rettete die Crew weitere Geflüchtete aus Seenot.

Frankfurt a.M. (epd). Nach einem Angriff durch die libysche Küstenwache hat das Rettungsschiff „Sea-Watch 5“ noch mehr Menschen aus Seenot an Bord genommen. Auf dem Weg zum Hafen von Brindisi, der der Besatzung durch die italienischen Behörden zugewiesen wurde, habe die Crew weitere rund 64 Menschen gerettet, teilte die Organisation Sea-Watch am Dienstag mit. Am Montag war das Schiff nach der Rettung von 90 Menschen laut den Helfern in internationalen Gewässern von einer libyschen Patrouille bedroht und beschossen worden.

Die Organisation kritisierte, dass der „Sea-Watch 5“ der fast vier Tagesreisen entfernte Hafen zugewiesen wurde - trotz des gewalttätigen Vorfalls mit der libyschen Küstenwache und medizinischen Notfällen unter den Geretteten. Die 30-köpfige Crew und die Geretteten seien durch den Angriff schwer belastet. Die libysche Küstenwache wird von der EU sowie Italien unterstützt und mitfinanziert. Sie besteht vornehmlich aus Söldnern.

Drohungen und Schüsse

Nach Darstellung von Sea-Watch griff die Patrouille das Rettungsschiff am Montagvormittag ohne Vorwarnung an und feuerte zahlreiche Schüsse ab. Über Funk befahl die Küstenwache der Besatzung, nach Libyen zu fahren und drohte nach deren Weigerung, die „Sea-Watch 5“ zu entern. Über mehrere Stunden sei das Schiff, das unter deutscher Flagge fährt, von Booten der libyschen Küstenwache verfolgt worden, während es die italienischen und deutschen Behörden informierte und Kurs nach Norden hielt.

Bereits im September wurde die „Sea-Watch 5“ von der libyschen Küstenwache bedroht und beschossen. Im August hatte die Organisation SOS Méditerranée den Beschuss ihres Schiffes „Ocean Viking“ gemeldet. In beiden Fällen befanden sich Gerettete an Bord.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Seit Beginn des Jahres wurden laut den UN mehr als 1.200 Tote oder Vermisste gemeldet, die Europa auf diesem Weg erreichen wollten. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch.