Hannover, Ahlhorn (epd). Die von der Schließung bedrohte Dietrich-Bonhoeffer-Klinik für suchtkranke Jugendliche in Ahlhorn bei Oldenburg hofft auf eine Rettung in letzter Minute. Dafür müsse die Deutsche Rentenversicherung (DRV) als wichtigster Kostenträger anerkennen, dass es in der Klinik einen besonderen Personalbedarf gebe, sagte der Vorstand des diakonischen Leinerstifts in Großefehn bei Aurich, Wolfgang Vorwerk, am Donnerstag in Hannover. Das in Ostfriesland gelegene Stift ist Träger der Bonhoeffer-Klinik, die als größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche in Deutschland gilt.
Die Rehabilitationsklinik hatte angekündigt, am 30. Juni aus finanziellen Gründen schließen zu müssen. Die Klinik mit bis zu 60 Betten sei deutlich unterfinanziert, kritisierte Vorwerk: „Wir haben mehr Personal, als uns die Rentenversicherung zugesteht.“ Allein nach den Standards der Versicherung lasse sich die Klinik nicht fachgerecht führen. Mit der drohenden Schließung fällt nach Angaben des Trägers ein großer Teil der Therapieplätze für suchtkranke Kinder und Jugendliche weg, die es bundesweit gibt. Nach Diakonie-Angaben ist es ungefähr die Hälfte.
Vorstand: Kranke Jugendliche brauchen Zukunft
„Uns geht es um die Kinder und Jugendlichen, die eine Zukunft brauchen“, betonte Vorwerk. Das Leinerstift hatte im Frühjahr einen Lösungsvorschlag für eine Übergangsphase zum Weiterbetrieb vorgelegt. Für einen Erhalt der Reha-Klinik hatten sich auch der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), sowie Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) eingesetzt.
Der niedersächsische Diakonie-Chef Hans-Joachim Lenke appellierte an die DRV, bis zum 10. Mai ein deutliches Signal für den Erhalt der Klinik zu senden. „Details kann man dann später klären.“ Das Stift hatte beim Betrieb der Klinik im vergangenen Jahr ein Defizit von 1,5 Millionen Euro erzielt und aus Eigenmitteln gedeckt.
Rentenversicherung weist Vorwürfe zurück
Die DRV hatte den Vorwurf, Reha-Plätze für suchtkranke Jugendliche nicht ausreichend zu finanzieren, zurückgewiesen. Falsch sei auch die vom Träger genannte Gesamtzahl von bundesweit 85 Reha-Plätzen für suchtkranke Minderjährige. Insgesamt stünden deutlich mehr Plätze zur Verfügung.




