Köln, Berlin (epd). Der Wissenschaftler Volker Quaschning hält Atomenergie für „völlig ungeeignet“, um Ausfälle bei Solar- oder Windenergie auszugleichen. „Damit sich so ein Kernkraftwerk rechnet, muss es ja rund um die Uhr laufen“, betonte der Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin am Samstag im WDR-Radio. Da Deutschland mittlerweile 60 Prozent erneuerbare Energien habe, brauche es keine Anlage, die rund um die Uhr Strom liefere. Nötig sei vielmehr eine Anlage, die tagsüber ausgehe und nachts, wenn die Sonne nicht scheine, entsprechend Strom liefern könne, betonte er.
Zudem könne Kernenergie auch nicht bei den Energiepreisen helfen, unterstrich Quaschning. „Wir tanken ja Erdöl an der Tankstelle und wir wissen, dass die Kernenergie mittlerweile am Abstand teuersten ist, was die Stromversorgung anbelangt.“ Im Vergleich zu Solar- und Windenergie sei sie etwa um das Dreifache teurer. „Das ist eine rein ideologische Sache“, erklärte er. Zudem importiere Europa Nuklearbrennstoffe und Brennstäbe vor allem aus Russland. „Sich davon unabhängig zu machen, ist schwierig, nicht unmöglich“, unterstrich er. Die letzten drei Kernkraftwerke in Deutschland hätten gerade einmal ein knappes Prozent an der Energieversorgung und etwa sechs Prozent beim Strom ausgemacht.
Mini-Reaktoren nicht neu
Auch erteilte er Forderungen wie von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach Mini-Atomreaktoren eine Absage. Diese Reaktoren seien nicht neu. Es gebe sie bereits als Antriebe in Atom-U-Booten. „Früher hat man dann aber gesagt, die kleinen Reaktoren sind unwirtschaftlich, wir müssen sie größer machen“, erläuterte Quaschning im WDR. Deswegen seien große Reaktoren gebaut worden. „Jetzt haben wir festgestellt, die Großen rechnen sich auch nicht und nun ist die Story, wir machen sie wieder kleiner“, kritisierte er. Selbst wenn man in Serienfertigung Hunderte baugleiche Kraftwerke baue und eine Kostensenkung von etwa 10 bis 20 Prozent erreiche, lägen sie immer noch über den Kosten für erneuerbare Energien. „Insofern ist da auch viel Theaterdonner“, unterstrich er. „Von diesen Anlagen werden sehr, sehr wenige gebaut werden.“




