Berlin (epd). Ärztinnen und Ärzte in Kliniken erleben laut einer Umfrage des Marburger Bunds häufig Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt. An der bisher größten bundesweiten Mitgliederbefragung, deren Ergebnisse die Ärztevereinigung am Dienstag in Berlin vorstellte, nahmen 9.073 Medizinerinnen und Mediziner teil. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) war demnach in den vergangenen zwölf Monaten von Machtmissbrauch durch ärztliche Beschäftigte betroffen, etwas mehr als die Hälfte von ihnen sogar mehrfach. 13 Prozent gaben an, sexuelle Belästigung erlebt zu haben.
Zu den am häufigsten genannten Formen des Machtmissbrauchs gehörten „respektloser und herablassender Umgangston“, Infragestellung der fachlichen Kompetenz sowie Mobbing und öffentliche Bloßstellung. Sexuelle Belästigung wurde der Umfrage zufolge am häufigsten in Form von sexuell aufgeladenen Kommentaren, abwertenden Sprüchen oder sexuell aufgeladenen Gesprächen erlebt.
Männliche Vorgesetzte in der Täterrolle
89 Prozent des Machtmissbrauchs und 63 Prozent der sexuellen Belästigung gingen den Angaben zufolge von ärztlichen Vorgesetzten aus. Hauptsächlich sind Männer in der Täterrolle. So geht Machtmissbrauch laut 32 Prozent der Befragten „nur“ von Männern aus, 30 Prozent gaben an, es seien „vor allem“ Männer gewesen. Sexuelle Übergriffe wurden laut 71 Prozent der Teilnehmenden allein von Männern verübt.
„Die Mehrheit der Betroffenen schweigt, weil sie keine wirksamen Konsequenzen erwartet oder sogar berufliche Konsequenzen fürchtet“, sagte die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna. Die Umfrage zeige, dass Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung als gesellschaftliches Phänomen, „nicht vor den Türen der Krankenhäuser Halt machen, sondern hier scheinbar ausgeprägt stattfinden“.




