Buchenwald erinnert an KZ-Befreiung vor 81 Jahren

Buchenwald erinnert an KZ-Befreiung vor 81 Jahren
Am Sonntag wird in Buchenwald an die Befreiung des Konzentrationslagers im April 1945 erinnert. Bis zuletzt wurde über ein angemessenes Gedenken gestritten.
10.04.2026
epd
Von Lukas Philippi (epd)

Weimar (epd). In der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar wird am Sonntag an die Befreiung des Konzentrationslagers vor 81 Jahren erinnert. Die Gedenkrede will der TV-Moderator und Autor Hape Kerkeling halten, dessen Großvater in Buchenwald inhaftiert war. Außerdem werden unter anderem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sowie Thüringens Landtagspräsident Thadäus König (CDU) erwartet.

Auch zwei hochbetagte Holocaust-Überlebende wollen an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, der 98-jährige Alojzy Maciak aus Belarus und der 99-jährige Andrei Moiseenko aus Polen, wie die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora am Freitag mitteilte. Weitere Holocaust-Überlebende hatten abgesagt, unter anderem aus Israel wegen des Krieges im Nahen Osten.

Der MDR will die Gedenkveranstaltung per Livestream übertragen. Eine zeitgleich geplante Mahnwache für die Opfer des Gaza-Krieges, die die Initiatoren in der Gedenkstätte abhalten wollten, wurde vom Verwaltungsgericht Weimar untersagt.

Unmenschlichkeit und Gewalt

Landtagspräsident König betonte vorab, Orte wie Buchenwald erinnerten daran, „dass Unmenschlichkeit nicht erst dort beginnt, wo Gewalt extreme Formen annimmt und für alle sichtbar wird“. Sie beginne mit Feindbildern, mit Ausgrenzung und einer abwertenden Sprache. Die eigentliche Bewährungsprobe des Erinnerns finde nicht am Gedenktag statt, sondern im Alltag. „Der Ausschluss von Menschen aus unserer Mitte, ganz gleich aus welchen Gründen, darf nie wieder zum Leitprinzip politischen oder gesellschaftlichen Handelns werden“, erklärte der CDU-Politiker.

Nach der Gedenkveranstaltung auf dem früheren KZ-Appellplatz lädt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zum interreligiösen Gedenken ein. Dazu ist ein Gang zum Kleinen Lager mit anschließender Gedenkfeier geplant. Erwartet werden dazu unter anderem der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, der katholische Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr sowie der Kantor der jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Milan Andics.

Kritik an Weimer

Zwei Buchenwald-Verbände hatten Kulturstaatsminister Weimer zuvor aufgefordert, auf einen öffentlichen Auftritt beim Gedenken zur Befreiung des Konzentrationslagers zu verzichten. Sie verwiesen auf Kontroversen um jüngste Äußerungen Weimers und warfen ihm einen unsensiblen Umgang mit jüdischen NS-Opfern vor.

Eine Mahnwache der Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ für Opfer des Gaza-Kriegs auf dem Gelände der Gedenkstätte war am Donnerstag vom Verwaltungsgericht Weimar untersagt worden. Die Stadt hatte der Initiative zuvor den Theaterplatz als alternativen Versammlungsort zugewiesen. Dagegen war die Initiative vor Gericht gezogen. Gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts war Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht möglich.

Erinnerungsort und Friedhof

Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, hatte angekündigt, ein Missbrauch des Gedenkens für politische Ideologien werde nicht geduldet. Die Gedenkstätte sei nicht nur ein geschichtspolitischer Erinnerungsort, sondern auch ein Friedhof. In der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen ist am Montag eine Gedenkfeier geplant.