Frankfurt a.M. (epd). Kirchliche Friedensappelle und Hoffnungsbotschaften zum Osterfest: Leo XIV. hat am Sonntag in seiner Osteransprache gefordert: „Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!“ Im Anschluss spendete er von der Loggia des Petersdoms in Rom den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis). Auch in Deutschland nahmen leitende Geistliche in ihren Osterpredigten Bezug auf Kriege und Konflikte weltweit.
Leo XIV. sagte, die Welt sei gerade dabei, sich an Gewalt zu gewöhnen. „Wir finden uns damit ab und werden gleichgültig“, sagte der aus den USA stammende Papst in seiner ersten Osteransprache als Kirchenoberhaupt. Gleichgültig werde die Menschheit auch gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die die Konflikte verursachten. „Es gibt eine immer ausgeprägtere 'Globalisierung der Gleichgültigkeit', um einen Ausdruck zu verwenden, den Papst Franziskus gern verwendet hat“, zitierte Leo seinen Vorgänger, der am Ostermontag vor einem Jahr im Alter von 88 Jahren gestorben war.
Bischof Wilmer: Ostern ist „Rebellion gegen den Tod“
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte in seiner Predigt zum Ostersonntag im Kölner Dom laut Manuskript, dass die Menschen Frieden nötig haben, sei „in diesen Tagen mit Händen zu greifen“. Er verwies auf das Leiden und Sterben in der Ukraine, im Libanon, in Israel, in Palästina, in Gaza, im Iran, den Golfstaaten und vielen anderen Ländern. Die ganze Welt sei von diesen Kriegen erschüttert und betroffen.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, nannte das Osterfest eine „Rebellion gegen den Tod“. Die Auferstehung Jesu, derer Christinnen und Christen an Ostern gedenken, sei „eine skandalöse Idee“, sagte der Hildesheimer Bischof am Ostersonntag laut Manuskript: „Verrückt im Sinne der Liebe. Verrückt im Sinne der Hoffnung. Verrückt genug, um dem Tod zu widersprechen.“
Bischöfin Fehrs: „Not und Leid haben nicht das letzte Wort“
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sieht in der Osterbotschaft trotz wachsender Verunsicherung durch Krisen und Kriege eine elementare Quelle von Hoffnung und Halt. „Die Abgründe der Welt sind nicht die ganze Wirklichkeit. Darin liegt die Kraft von Ostern“, betonte die Theologin in ihrer bereits vor dem Fest veröffentlichten Osterbotschaft. Die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi sei „eine der machtvollsten Hoffnungsgeschichten, die wir kennen“.
„Not und Leid haben nicht das letzte Wort“, unterstrich die EKD-Ratsvorsitzende und Hamburger Bischöfin. „Mich berührt in diesem Jahr besonders, wie widerständig und kraftvoll dieser Osterruf ist: Die Zuversicht, dass das Leben siegt, inmitten all der Kriege und des Elends dieser Tage.“ Gott weise Hass und Vernichtung in die Schranken und habe dem Tod am Kreuz die Macht genommen.
Bischof Kopp: „Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein“
Die Welt braucht das Osterfest nach Überzeugung des bayerischen evangelischen Landesbischofs Christian Kopp mehr denn je. „Denn der Tod hat unsere Welt fest im Griff. Gewalttaten, Ängste, Zerstörung, Kriege“, sagte der evangelische Theologe am Ostersonntag in seiner Predigt in der Münchner St. Matthäuskirche laut Manuskript. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sprenge alle Vorstellungen von Gerechtigkeit. Die Eskalationen im Nahen Osten entsetzten ihn.
„Aber gerade weil jetzt Ostern ist und ich an Gottes Machtwechsel glaube, gilt: Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein. Never ever“, sagte Kopp. Und doch fühle er sich hilflos. „Die Mächtigen machen, was sie wollen: nehmen sich Land, verdienen Millionen mit ihrem Insiderwissen und Spekulationen, pfeifen auf Völkerrecht und Menschenleben und Würde.“



