Forscherin: Syrer würden in einigen Branchen und Regionen fehlen

Forscherin: Syrer würden in einigen Branchen und Regionen fehlen
Wenn viele Menschen aus Syrien Deutschland verlassen, wäre das "auf gesamtwirtschaftlicher Ebene" nicht dramatisch, sagt die Arbeitsmarktforscherin Kosyakova. An manchen Stellen täten sich aber spürbare Lücken auf.

Frankfurt a.M. (epd). Aus Sicht der Arbeitsmarktforscherin Yuliya Kosyakova wäre es in Deutschland in bestimmten Branchen und Regionen deutlich spürbar, wenn ein Großteil der Menschen aus Syrien in ihre Heimat zurückkehrt. Als Beispiel nannte die Fachfrau vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung den Wegfall eines Arztes auf dem Land. „Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene wären die Effekte nicht dramatisch“, sagte Kosyakova der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch).

Bei einem Besuch am Montag in Berlin hatte der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als Ziel genannt, dass rund 80 Prozent der derzeit in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer in den nächsten drei Jahren in ihr Heimatland zurückkehren. „Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst“, sagte Merz am Dienstag.

Beschäftigungsquote von 48 Prozent

Syrerinnen und Syrer sind nach den Worten der Arbeitsmarktforscherin Kosyakova breit über den deutschen Arbeitsmarkt verteilt. „Männer arbeiten häufig in Verkehrs- und Logistikberufen, in Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufen, im Gastgewerbe, im Bau und im Gesundheitswesen. Frauen vorrangig in sozialen und kulturellen Dienstleistungen, in Gesundheitsberufen und ebenfalls im Gastgewerbe“, sagte die Wissenschaftlerin, die am Institut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg den Forschungsbereich Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung leitet

Mitte des vergangenen Jahres seien rund 320.000 syrische Staatsangehörige in Deutschland beschäftigt gewesen, davon etwa 88 Prozent sozialversicherungspflichtig. Das entspreche einer Beschäftigungsquote von 48 Prozent. Die Zahl dürfte die Arbeitsmarktintegration der syrischen Geflüchteten laut Kosyakova unterschätzen. Eingebürgerte würden zum Beispiel nicht mitgezählt, für diese sei die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts aber Voraussetzung bei der Einbürgerung, und deshalb dürfte hier die Beschäftigungsquote vergleichsweise hoch sein.