Göttingen (epd). Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat anlässlich des Staatsbesuchs von Syriens Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa die Bundesregierung aufgerufen, das Schicksal der Christen in dem Land nicht zu vergessen. „Während Bundeskanzler Friedrich Merz den Anführer der syrischen Islamisten als Staatsgast empfängt, werden in Syrien christliche Gemeinden angegriffen“, sagte der Nahost-Referent der Gesellschaft, Kamal Sido, am Montag in Göttingen.
Die Anerkennung von al-Scharaa als Übergangspräsident sowie der Staatsempfang in Deutschland verhöhnten die Opfer seines Regimes, sagte Sido. „Die Bundesregierung muss ihre Zusammenarbeit mit diesem Regime überdenken, sonst unterstützt sie die Verbrechen.“ Die syrische Regierung wolle das Land mit allen Mitteln islamisieren und alle, die sich für eine Trennung von Religion und Staat einsetzen, mundtot machen.
Angriffe auf christliche Gemeinde
Sido zufolge wurde erst am vergangenen Freitag die christliche Gemeinde in der kleinen syrischen Stadt Sqailbiyya angegriffen. Häuser, Geschäfte, Autos und Besitztümer der christlichen Bewohner seien von einem „islamistischen Mob“ verwüstet oder in Brand gesetzt worden. „Die Regierung in Damaskus spricht von Einzelfällen, doch die Angriffe zeigen ein systematisches Vorgehen“, sagte Sido.
Die Zahl der Christen in Syrien ist laut der Gesellschaft für bedrohte Völker seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 dramatisch gesunken. Vor dem Krieg lebten etwa 1,5 bis 2 Millionen Christen im Land, heute seien es nur noch rund 300.000. Die meisten syrischen Christen gehören der „Rum-Orthodoxen Kirche“ (offiziell: Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Antiochien und dem gesamten Morgenland) an. Weltweit zählen sich Schätzungen zufolge etwa 4,3 Millionen Menschen zu dieser alten orientalischen Kirche.




