Berlin, Genf (epd). Angesichts der drohenden Verschlechterung der weltweiten Ernährungslage aufgrund des Nahost-Krieges hat das Hilfswerk „Brot für die Welt“ die Handelsminister zu Maßnahmen aufgefordert. So müsse es bei der Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) von Donnerstag bis Sonntag in Kamerun Fortschritte beim Thema öffentliche Nahrungsmittelvorräte geben, erklärte die evangelische Organisation am Donnerstag in Berlin.
Viele Länder des globalen Südens wollten Kleinbäuerinnen und -bauern mit Mindestpreisen stützen, Getreide für Krisenzeiten lagern und es im Notfall vergünstigt an arme Menschen abgeben. Doch eine dauerhafte Verankerung dieser Subventionsprogramme im WTO-Agrarabkommen werde seit Jahren blockiert. Angesichts steigender Düngemittelpreise und Transportkosten durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran wären solche Vorräte für viele Länder ein wichtiger Schutzschild gegen Hungerkrisen, betonte „Brot für die Welt“. Die Minister müssten das Anlegen solcher Vorräte rechtlich absichern.
Arme Länder werden an den Rand gedrängt
Auf der Ministerkonferenz streben die EU und die USA laut „Brot für die Welt“ zudem eine Reform des Regelwerks zulasten der ärmeren Länder an. Beide versuchten, das Prinzip der Einstimmigkeit aufzuweichen, Sonderregelungen für ärmere Länder zu begrenzen und Vereinbarungen in Teilgruppen vermehrt zuzulassen. Die Verwirklichung der Pläne würde die ärmsten Länder an den Rand drängen, kritisierte die Hilfsorganisation.
Die Ministerkonferenz der 166 WTO-Mitglieder wurde am Donnerstag in Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun, eröffnet und dauert bis Sonntag. Im Mittelpunkt stehen Diskussionen über eine Modernisierung der mehr als 30 Jahre alten Organisation. Kritiker bemängeln, dass die WTO in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung verloren habe.



