Studie: Autokratien weltweit auf dem Vormarsch

Studie: Autokratien weltweit auf dem Vormarsch
Die Demokratie gerät weltweit weiter unter Druck. Einer Studie zufolge legt die Zahl der autokratisch regierten Staaten zu.

Gütersloh (epd). Die Demokratie steht weltweit unter zunehmendem Druck. Eine Mehrheit von 77 der 137 untersuchten Staaten werde inzwischen autokratisch regiert, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag in Gütersloh bei der Veröffentlichung des Transformationsindex 2026. 52 der 77 Autokratien sind laut der Studie „harte Autokratien, in denen Grundrechte vollständig missachtet werden“. Das seien so viele wie noch nie seit dem Beginn der Erhebung 2006, hieß es.

Auch in zahlreichen Demokratien würden sich autokratische Tendenzen durchsetzen, hieß es weiter. Der Druck multipler Krisen und der wachsende internationale Einfluss autokratischer Akteure beschleunigten diese Erosion von Demokratie. Dies zeige sich in der massiven Einschränkung politischer Beteiligung sowie der Aushöhlung von rechtsstaatlichen Verfahren.

Keine demokratischen Mindeststandards bei Wahlen

Am deutlichsten seien die Rückschritte bei Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit, hieß es weiter. In mehr als jedem zweiten Land (54 Prozent) der untersuchten Länder erfüllten zudem Wahlen keine demokratischen Mindeststandards mehr. In Ländern wie Belarus, Russland oder Ruanda seien sie „streng kontrollierte Legitimationsrituale, deren Ergebnis bereits weit vor der Stimmabgabe feststeht“. Durch Militärputsche, wie in Gabun oder Niger würden Wahlen ganz ausgesetzt.

Der Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung (BTI) analysiert seit 2006 alle zwei Jahre die Qualität von Demokratie, Marktwirtschaft und Regierungsführung in 137 Entwicklungs- und Transformationsländern. Grundlage sind den Angaben zufolge mehr als 5.000 Seiten an detaillierten Länderberichten, die in Zusammenarbeit mit Experten führender Universitäten und Thinktanks in über 120 Ländern erstellt werden. 23 OECD-Staaten wie Deutschland oder die USA sind aktuell nicht Teil der Untersuchung. Der aktuelle Untersuchungszeitraum erstreckt sich den Angaben zufolge vom 1. Februar 2023 bis zum 31. Januar 2025.