Zentralrat der Muslime will sich von Mitgliedsverband ATIB trennen

Zentralrat der Muslime will sich von Mitgliedsverband ATIB trennen
Der Zentralrat der Muslime will sich von einer Organisation trennen. Die Mitgliedschaft der "Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa", kurz ATIB, in dem Dachverband ist ausgesetzt. Es geht um Nähe zu den "Grauen Wölfen".

Köln (epd). Der Zentralrat der Muslime in Deutschland will sich von einer Mitgliedsorganisation, der „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa“ (ATIB), trennen. Die Mitgliedschaft der ATIB sei satzungsgemäß mit sofortiger Wirkung bis zur Entscheidung der nächsten Vertreterversammlung ausgesetzt, erklärte der Dachverband am Mittwoch in Köln. Das habe der Bundesvorstand des Zentralrats bei einer außerordentlichen Versammlung am 21. März einstimmig beschlossen. Bis zur nächsten Vertreterversammlung soll zudem ein Antrag auf Ausschluss der ATIB aus dem Zentralrat gestellt werden. Dem ATIB-Bundesverband soll dann Gelegenheit zur Anhörung gegeben werden.

Der ZMD formuliert in seiner Stellungnahme die Gründe für sein Vorgehen indirekt und betont, dass sich der Zentralrat ausdrücklich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verpflichtet fühlt: „Er tritt rassistischen und extremistischen Ideologien entschieden entgegen und bekennt sich zu einem Islamverständnis, das die gleiche Würde aller Menschen unabhängig von Herkunft oder Abstimmung betont.“

Verfassungsschutz: Nähe der ATIB zu rechtsextremistischen „Grauen Wölfen“

Der Zentralrat der Muslime verweist zudem auf eine Stellungnahme von Özlem Basöz, die kürzlich aus der ATIB ausgetreten ist. Die stellvertretende Vorsitzende des ZMD erläutert darin die Gründe für ihren Schritt. Basöz, zuletzt dort Generalsekretärin, nennt die seit 2019 vom Verfassungsschutzbericht des Bundes genannte Nähe von ATIB zur „Ülkücü“-Bewegung („Graue Wölfe“). „Ich habe diese Entwicklung stets ernst genommen“, schreibt Basöz und unterstreicht, dass sie selbst die ideologischen Inhalte oder Ziele der Ülkücü-Bewegung weder vertrete noch unterstütze.

Die im 19. Jahrhundert in der Türkei entstandene Bewegung der „Grauen Wölfe“ umfasst laut Verfassungsschutz neben „übersteigerten nationalistischen auch antisemitische und rassistische rechtsextremistische Elemente“. In Deutschland geht der Verfassungsschutz von über 12.000 Personen aus, die dieser Ideologie zuzuordnen und überwiegend unter dem Dach größerer Verbände zusammengeschlossen seien, unter anderem der ATIB.