Hamburg (epd). Der Fall der Schauspielerin Collien Fernandes hat das Thema digitale Gewalt in den Fokus gerückt. Der Hamburger Verein „ichbinhier“ rät Menschen, regelmäßig zu überprüfen, welche Inhalte über sie im Netz verfügbar sind. „Schon die Eingabe des eigenen Namens in einer Suchmaschine kann zu wichtigen Ergebnissen führen“, sagte Vorständin Juliane Chakrabarti dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage.
Fernandes wehrt sich seit einigen Jahren gegen sogenannte Deepfake-Videos von sich mit pornografischen Inhalten und hat das Thema digitale Gewalt an ihrem eigenen Beispiel öffentlich gemacht. Inzwischen hat sie eine Person in ihrem nächsten familiären Umfeld angezeigt. Sie wirft ihr unter anderem Identitätsdiebstahl und sexualisierte Gewalt vor.
Chakrabarti sagte, die Veröffentlichung durch Täterinnen oder Täter aus dem privaten Umfeld sei „besonders komplex, weil die Betroffenen befürchten müssen, dass weitere intime Details im Falle der Berichterstattung den Weg in die Öffentlichkeit finden“.
Lösch-Pflichten der Plattformen
„ichbinhier“ rate Betroffenen, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen, „um sich mit den widersprüchlichen Emotionen auseinanderzusetzen, die Privatsphäre zu schützen und weitere Stigmatisierung zu vermeiden“. Dazu gehörten Beratungsstellen oder spezialisierte Rechtsberatungsangebote wie „HateAid“ (Berlin).
Auch die Meldung der Inhalte an die Plattformen, auf denen sie zu sehen sind, oder die Erstattung von Strafanzeigen seien wichtige erste Schritte, sagte Chakrabarti. Plattformen seien verpflichtet, entsprechende Inhalte zu löschen.
Chakrabarti gab allerdings zu bedenken, dass gerade bildbasierte Inhalte teils sekundenschnell in riesigen Mengen über private Accounts verbreitet würden. Betroffene fänden diese Inhalte nicht so schnell, wie sie weitergeschickt würden. „Hier lohnt sich möglicherweise die Inanspruchnahme von bezahlten Unterstützungsangeboten“, sagte Chakrabarti. Einrichtungen wie „HateAid“ oder Fachanwälte für Medienrecht könnten diesbezüglich den richtigen Weg aufzeigen.



