Bibliotheksbau: Kritik an Weimer reißt nicht ab

Bibliotheksbau: Kritik an Weimer reißt nicht ab
Rund 100 Millionen Euro soll ein Erweiterungsbau für die Bestände der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig kosten. Doch das Vorhaben ist erst einmal gestrichen.

Frankfurt a.M (epd). Die Kritik am Stopp des Erweiterungsbaus für die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig geht weiter. Die Historische Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels kritisierte einen Eingriff in praktizierte Regelungen. Der Vorschlag von Kulturstaatsminister Wolfram Weimar (parteilos), den Sammelauftrag zu ändern, sei „unzureichend begründet“, erklärte die Kommission des Börsenvereins am Montag in Frankfurt am Main.

Weimer, der die Ablieferungspflicht für Verlage künftig generell auf ein Exemplar reduzieren will, setze sich „bedenkenlos und unabgestimmt“ über Vorgaben hinweg, hieß es. Bislang müssen zwei Exemplare jeder Neuerscheinung an die Nationalbibliothek mit Standorten in Leipzig und Frankfurt am Main abgegeben werden.

„Erzwungener Eingriff“

Die von Weimer geplante Maßnahme sei faktisch ein „erzwungener Eingriff in das Pflichtexemplargesetz“. Die Kommission sei überzeugt, dass das kulturelle Gedächtnis der Nation nicht ausschließlich in digitaler Form archiviert werden könne. Der Kulturstaatsminister hatte auch angeregt zu prüfen, ob die Pflichtablieferung zukünftig weitestgehend digital erfolgen kann.

Der Erweiterungsbau war 2018 in Abstimmung mit der damaligen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und mit dem sächsischen Finanzministerium für den Standort Leipzig geplant worden. Die Kosten werden auf rund 100 Millionen Euro beziffert. Der Neubau hat nicht nur Platzgründe. Die Bestände müssten auch unter bestimmten klimatischen Bedingungen gelagert werden, heißt es.

Auch der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Bibliotheksverband hatten das Vorgehen Weimers bereits kritisiert.