Paderborn (epd). Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie für das Erzbistum Paderborn hat Erzbischof Udo Markus Bentz um Verzeihung gebeten und Konsequenzen angekündigt. „Es ist mir persönlich wichtig, um Verzeihung zu bitten - im Namen der Kirche von Paderborn“, sagte Bentz am Freitag. Er wisse jedoch, dass damit nicht ungeschehen gemacht werden könne, was geschehen sei. Die Betroffenenvertretung betonte, dass nun die Schlussfolgerungen aus der Studie umgesetzt werden müssten. Laut dem Interventionsbeauftragten hat das Erzbistum bislang Anerkennungsleistungen in Höhe von 4,5 Millionen Euro gezahlt.
Die erste Sichtung der über 700-seitigen Studie habe „die fatale, strukturelle Dimension des Versagens“ deutlich gemacht, sagte Bentz in Paderborn. Es lasse ihn nicht los, dass Priester und andere kirchliche Mitarbeitende ihnen anvertraute Menschen so hätten verletzen können. Schuldig geworden seien auch Verantwortliche im Erzbistum. Vorfälle seien verharmlost und bagatellisiert worden.
Studie: Hinweise auf 489 Betroffene
Am Donnerstag war die unabhängige Studie zu sexuellen Übergriffen im Erzbistum in der Zeit von 1941 bis 2002 veröffentlicht worden. Demnach ist das Ausmaß weit größer als bislang bekannt. Laut Studie gibt es für diesen Zeitraum Hinweise auf 210 Beschuldigte und 489 Betroffene. Die Wissenschaftlerinnen der Universität Paderborn waren seit 2020 mit der historischen Studie befasst. Sie beleuchtet die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger (1892-1975) und Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002). Ein zweites Forschungsprojekt untersucht aktuell die Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker (2002 bis 2022).
Mit den Erkenntnissen der Studie solle der bisherige Weg der Aufarbeitung kritisch abgeglichen werden, kündigte Bentz an. So solle etwa die Priesterausbildung im Erzbistum auf den Prüfstand gestellt werden. Zudem sei eine vertiefte Bewertung der Studie gemeinsam mit der Unabhängigen Aufarbeitungskommission verabredet. Bentz verwies auch auf ein kürzlich gegründetes Therapie-Netzwerk des Erzbistums sowie auf seelsorgerliche Begleitung und Unterstützung bei der Anerkennung des Leids.
Betroffenenvertretung: Zusammenarbeit „hart, aber fair“
Der Sprecher des Vorstands der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn, Reinhold Harnisch, würdigte die Übernahme der Verantwortung durch das Erzbistum. Es bleibe jedoch noch viel zu tun. Bei der Zusammenarbeit mit dem Erzbistum wolle man „hart, aber fair“ bleiben. Das Paderborner Modell der Kooperation könne ein Leuchtturm werden, der eine neue Zeit einleite: „eine Zeit der Wahrheit, der Klarheit, der Verantwortung und des Miteinanders“.
Der Interventionsbeauftragte des Erzbistums, Thomas Wendland, sagte, Vorwürfe persönlicher Verstrickungen der früheren Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt seien bekannt, neuere Aussagen würden geprüft. „Wir nehmen alle Hinweise auf und gehen ihnen sorgfältig nach“, betonte auch Erzbischof Bentz. Sobald es weitere Entwicklungen gebe, „werden wir zeitnah und transparent über diese Sache informieren“.
Laut dem Interventionsbeauftragten wurden bislang rund 200 Anträge bei der Kommission für Anerkennungsleistungen eingereicht, davon wurden 163 entschieden. Das Erzbistum habe 4,5 Millionen Euro an Anerkennungsleistungen gezahlt.


