Leipzig, Berlin (epd). Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) will den Auftrag der Deutschen Nationalbibliothek zur Sammlung von Büchern, Zeitungen und anderen Druckerzeugnissen reduzieren, um Lagerfläche zu sparen. Mit dem „Ziel des Bürokratieabbaus“ solle die Ablieferungspflicht für Verlage und andere Publizierende künftig generell auf ein Exemplar reduziert werden, teilte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille am Freitag in Berlin mit. Sie müssen bislang zwei Exemplare jeder Neuerscheinung an die Nationalbibliothek abgeben.
Die Deutsche Nationalbibliothek hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass Weimer den seit Längerem geplanten Erweiterungsbau in Leipzig für die fachgerechte Aufbewahrung abgesagt und dabei auf das Ziel vermehrter digitaler Sammlung verwiesen hat. An der rechtlichen Grundlage, die bislang zur Sammlung der physischen Exemplare verpflichtet, gehe das aber vorbei, erklärte die Nationalbibliothek.
Kein Zeitplan für Gesetzesänderung
Für eine Reduzierung des Sammelauftrags muss der Bundestag das Gesetz für die Deutsche Nationalbibliothek ändern. Wann das passieren soll, ist offen. Einen Zeitplan gebe es nicht, räumte Hille ein. Die „konzeptionellen Überlegungen“ wirken sich nach seinen Worten dennoch bereits jetzt auf die Planungen für den Erweiterungsbau aus.
Der Erweiterungsbau wurde seit 2018 von der Deutschen Nationalbibliothek geplant und soll die Aufbewahrung von rund 35,5 Millionen Medienwerken für etwa 30 Jahre gewährleisten. Der Neubau hat nach Angaben der Bibliothek nicht nur Platzgründe. Bestände müssten aus dem klimatisch nicht geeigneten Altbau verlagert werden, um sie langfristig zu sichern, hieß es in ihrer Mitteilung.
Kritik von Kulturrat und Bibliotheksverband
Die Entscheidung zur Absage des Erweiterungsbaus in Leipzig stieß auf Kritik. Der Deutsche Bibliotheksverband erklärte, für die Erfüllung des Auftrages brauche es sichere Planungsgrundlagen. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass die Bibliothek in Leipzig nun in eine ungeklärte Situation komme.
Auch der Deutsche Kulturrat kritisierte Weimers Vorgehen. Geschäftsführer Olaf Zimmermann erklärte, der Erweiterungsbau werde dringend gebraucht. Dass Weimer die Sammlung körperlicher Medienwerke als nicht mehr zeitgemäß ansehe, bezeichnete er als „höchst beunruhigende Begründung“.


