Kaiser: Strukturschwäche Nährboden für populistische Einstellungen

Kaiser: Strukturschwäche Nährboden für populistische Einstellungen
Der Deutschland-Monitor zeigt, dass der Osten immer noch anders tickt, aber nicht überall. Besonders in strukturschwachen Regionen blickt man skeptischer auf politische Veränderungen. Die Ostbeauftragte fordert, dort genauer hinzuschauen.

Berlin (epd). Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), fordert nach den Ergebnissen des „Deutschland-Monitor 2025“ über die Einstellungen der Deutschen zur Demokratie ein stärkeres politisches Engagement für strukturschwache Regionen. Die Strukturschwäche vieler Regionen bilde den Nährboden für populistische Einstellungen, sagte Kaiser am Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Die für den Monitor durchgeführte repräsentative Bevölkerungsbefragung ergab unter anderem, dass es bei der Bereitschaft zu Veränderungen im Osten und Westen insgesamt betrachtet kaum Unterschiede gibt. Eine regionale Tiefenerhebung, in der Einstellungen in strukturstarken und -schwachen Landkreisen verglichen wurden, zeigte zugleich, dass insbesondere in strukturschwachen ostdeutschen Landkreisen die Veränderungsskepsis größer ist als anderswo. Dies gilt auch für die Wahrnehmung der Wiedervereinigung. In strukturschwachen Regionen im Osten wird sie seltener positiv gesehen.

Beauftragte verweist auf demografische Faktoren

Kaiser sagte, wenn es Zukunftsängste gebe, beispielsweise um den Arbeitsplatz, verunsichere das die Menschen. Krisen und Herausforderungen schlügen in strukturschwachen Regionen stärker zu. Gefragt nach Fehlern der Vergangenheit sagte Kaiser, sie vermute, dass der demografische Faktor zu lange zu wenig betrachtet worden sei. Er habe Auswirkungen auf Unternehmensentwicklungen und -entscheidungen. Die ostdeutsche Bevölkerung sei älter und männlicher. Das schlage sich zudem auch in der politischen Kultur nieder, sagte die Beauftragte.

Sie verwies auf das in ihren Augen richtige Bemühen, mehr Unternehmen in Ostdeutschland anzusiedeln. Zudem forderte sie mehr Investitionen in Bildung. Es sei schwer, Lehrkräfte in die Fläche zu bringen und Schulstandorte zu erhalten. Da müsse man „genauer hinschauen“.