Geesthacht (epd). Offshore-Windparks können das Strömungsmuster in der Nordsee großflächig verändern. Das zeigt eine Studie des Helmholtz-Zentrums Hereon, die erstmals die langfristige Gesamtwirkung durch Windkraftanlagen in der Deutschen Bucht analysiert hat, wie das Institut am Montag mitteilte. Anhand von Simulationen zeigten die Forschende auch Ansätze auf, wie mögliche Umweltrisiken minimiert werden können. Bis zum Jahr 2050 soll die Leistung von Offshore-Windkraft in der Nordsee mehr als verzehnfacht werden, hieß es.
Die Anlagen haben demzufolge Auswirkungen auf Luft- und Meeresströmungen: Die Rotoren entziehen Windenergie und beeinflussen die Oberflächenströmungen, während die Turbinenpfeiler unter Wasser Hindernisse darstellen und die Gezeitenströmungen bremsen. Das Zusammenspiel dieser Nachlaufstrukturen führe zu veränderten Strömungsbildern - „nicht nur innerhalb der Windparks“, sagte Geophysiker Nils Christiansen. Mögliche Folgen seien großräumige Veränderungen im Sedimenttransport oder bei der Durchmischung des Meerwassers.
Auswirkungen minimieren
Neben möglichen Langzeitveränderungen liefern die Modellsimulationen auch erste Ansätze, wie sich die Auswirkungen auf die Meeresumwelt verringern lassen. So seien der Turbinenabstand, der Standort der Windparks und die lokalen Gezeitenbedingungen entscheidend dafür, wie stark sich Strömungen, Temperaturen und die Durchmischung des Wassers veränderten. Ein größerer Abstand zwischen den Windrädern würde zum Beispiel zu deutlich weniger Durchmischung führen.
„Offshore-Windkraft ist ein zentraler Baustein der Energiewende“, sagte Christiansen. „Gleichzeitig müssen wir verstehen, wie unterschiedliche Arten von Offshore-Installationen und die Größe der Anlagen die Nordsee beeinflussen.“ Nur so könnten Maßnahmen entwickelt werden, um mögliche Risiken frühzeitig zu minimieren.


