Salvador da Bahia (epd). Die brasilianische Vereinigung der Pflanzenölindustrie verlässt das Soja-Moratorium, das dem Schutz des Regenwaldes dient. Die Abiove werde am Montag aus der Selbstverpflichtung großer Agrarunternehmen austreten, berichtete das Portal Mongabay vorab.
Im Jahr 2006 hatten sich unter anderem 25 Sojakonzerne verpflichtet, nicht von Erzeugern zu kaufen, die auf nach 2008 abgeholzten Flächen anpflanzten. Das Moratorium war laut Greenpeace die weltweit wichtigste Vereinbarung gegen Entwaldung. Künftig würde der Forstwirtschaftskodex den Erhalt der „hohen sozialen und ökologischen Standards“ sicherstellen, betonte die Abiove. Eine Untersuchung der lokalen Nichtregierungsorganisation Institut ICV (Centro de Vida) hingegen zeigt, dass 91 Prozent der Entwaldung im Amazonasgebiet zwischen August 2023 und Juli 2024 illegal war.
Verfassungsklage gegen neues Gesetz gescheitert
Im Bundesstaat Mato Grosso ist im Januar ein Gesetz in Kraft getreten, das Produzenten, die sich zu höheren Standards als den gesetzlich vorgeschriebenen verpflichten, von staatlichen Förderungen ausschließt. Eine Verfassungsklage dagegen scheiterte vor dem Obersten Bundesgericht: Der Bundesstaat könne eigene Kriterien entwickeln, und privatrechtliche Vereinbarungen hätten sich übergeordneten Gesetzen anzupassen.
Brasilien ist der größte Sojaexporteur der Welt und liefert 1,8 Millionen Tonnen jährlich nach Deutschland. Daten der Lieferketten-Plattform Trase zeigen einen Anstieg der für Sojaproduktion abgeholzten und umgewidmeten Flächen zwischen 2020 und 2022 um fast 160.000 Hektar. Laut einer Vorstudie des IPAM (Instituto de Pesquisa Ambiental da Amazônia) könnte die Entwaldungsrate im Amazonas durch das Ende des Moratoriums bis 2045 um bis zu 30 Prozent wachsen. 14 europäische Großkunden, darunter Lidl und Aldi, kündigten an, kein brasilianisches Soja mehr zu kaufen, sollten die Lieferketten nun nicht mehr nachvollziehbar sein.


