Kritik an Einschnitten bei Integrationskursen verstummt nicht

Kritik an Einschnitten bei Integrationskursen verstummt nicht
Die geplanten Mittelkürzungen bei Integrationskursen sorgen für eine anhaltende Kontroverse. Ein Parteifreund von Innenminister Dobrindt (CSU) verteidigt das Vorhaben. Doch unter anderem der Koalitionspartner SPD protestiert weiterhin.
15.02.2026
epd
Von Susanne Rochholz (epd)

Berlin (epd). Die Kritik an geplanten finanziellen Einschnitten bei Integrationskursen lässt auch nach fast einer Woche nicht nach. Am Wochenende wandten sich der Deutsche Städtetag und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD), gegen das Vorhaben von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beschränkt auf Anweisung des Bundesinnenministeriums den Zugang zu Integrationskursen auf Personen, die einen dauerhaften Aufenthaltstitel in Deutschland und damit einen rechtlichen Anspruch auf den Kurs haben. Dobrindts Parteifreund Stephan Mayer, innen- und rechtspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, verteidigte die Kürzungen.

Das Bundesamt hatte den Trägern von Integrationskursen am Montag mitgeteilt, dass „bis auf Weiteres“ keine Teilnehmer mehr zugelassen werden, für die der Kurs nicht verpflichtend ist - es sei denn, sie bezahlen selbst. Das betrifft Asylbewerber im Verfahren, Geduldete, Migranten aus der EU sowie Flüchtlinge aus der Ukraine.

Pawlik: „Menschen ab Tag eins eine Chance bieten“

Die Integrationsbeauftragte wandte sich im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ (Samstag) dagegen, nur noch diejenigen zu fördern, die dauerhaft bleiben könnten: Der Grundsatz, „dass wir den Menschen ab Tag eins eine Chance bieten und sie eben nicht untätig in Verfahren festhängen lassen“, habe sich seit 20 Jahren bewährt. Sprachförderung dürfe nicht „von unsicheren Prognosen über eine spätere Bleibeperspektive abhängig gemacht werden“. Pawlik kritisierte zudem, von den Geflüchteten verfügten „die wenigsten über ausreichend Mittel“, Sprachkurse selbst zu bezahlen.

Bei den geflüchteten Ukrainern sei unklar, wer längerfristig in Deutschland bleiben werde, zudem sei der Krieg in ihrem Herkunftsland noch nicht vorbei. Gekommen seien Menschen, die „große Potenziale“ hätten: „Die Menschen aus der Ukraine wollen arbeiten und unsere Wirtschaft sucht händeringend nach Arbeitskräften. Wir müssen ihnen schnellstmöglich den Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnen“, forderte die SPD-Politikerin.

Städtetag: „Kein gutes Signal“

Der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Christian Schuchardt, nannte die angeordneten Zugangsbeschränkungen in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag) „kein gutes Signal“. Die in den Kursen vermittelte Sprachkompetenz und das Orientierungswissen über Deutschland seien „der Schlüssel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort“.

Zudem warnte Schuchardt vor den finanziellen und sozialen Folgen: „Jeder Geflüchtete und Asylbewerber, der in Arbeit kommt, entlastet die Städte von Sozialausgaben. Ohne Integrationskurse wird eine Arbeitsaufnahme aber fast unmöglich.“

Ähnlich hatte sich am Dienstag der Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker geäußert. Integrations- und Berufssprachkurse hätten „nach unseren empirischen Befunden eindeutig positive Effekte für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten“, sagte der Forschungsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch fiskalpolitisch sei die Beschränkung „zu kurz gedacht“, sagte er.

CSU-Politiker kritisiert Kritiker

Der CSU-Innen- und -Rechtspolitiker Mayer verteidigte im Deutschlandfunk hingegen die Konzentration auf Personen mit Bleibeperspektive als „richtig und sachgerecht“. Die Zuzugszahlen nähmen ab, das müsse sich auch im Haushalt auswirken. „Deswegen muss ich sagen, habe ich wenig Verständnis für die aus meiner Sicht deutlich überzogene Kritik“, betonte er.

Mayer räumte allerdings ein, dass es für die Betroffenen ein „Kraftakt“ sei, Deutschkurse selbst zu bezahlen. Dass dem Staat und der Gesellschaft langfristig höhere Kosten entstünden, wies der CSU-Politiker aber zurück: „Hier werden keine finanziellen Risiken auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben oder in die Zukunft transferiert.“