Vatikan geht auf Piusbruderschaft zu

Vatikan geht auf Piusbruderschaft zu
Kardinal Fernández hat sich mit dem Oberen der Piusbruderschaft getroffen und einen weiteren Dialog vorgeschlagen. Das Treffen wird von Beobachtern als Entgegenkommen des Vatikans interpretiert.

Rom (epd). Der Vatikan hat im Konflikt mit der Piusbruderschaft einen Vorschlag zum weiteren Dialog unterbreitet. Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Victor Fernández, habe bei einem Treffen mit dem Oberen der Bruderschaft, Davide Pagliarani, einen „spezifisch theologischen Dialog mit einer genau festgelegten Methodik“ vorgeschlagen, teilte das Dikasterium nach dem Treffen am Donnerstag mit.

Die Möglichkeit, diesen Dialog zu führen, setze allerdings voraus, „dass die Bruderschaft die angekündigten Bischofsweihen aussetzt“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Der Heilige Stuhl hat bekräftigt, dass die Weihe von Bischöfen ohne Mandat des Heiligen Vaters, der die höchste ordentliche Gewalt innehat, einen entscheidenden Bruch der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma) mit schwerwiegenden Folgen für die Bruderschaft als Ganzes bedeuten würde“, stellt Fernández in seinem Schreiben klar.

Piusbruderschaft wollte mit Papst Leo persönlich sprechen

Dem Treffen am Donnerstag in Rom zwischen Pagliarini und Fernández war die Ankündigung der Bruderschaft vorausgegangen, am 1. Juli neue Bischöfe für ihre Gemeinschaft weihen zu wollen. Auch stellten die Piusbrüder nun die Forderung auf, in einer Audienz von Papst Leo XIV. persönlich empfangen zu werden. Das Treffen mit Fernández wird von Beobachtern bereits als Entgegenkommen des Vatikans interpretiert.

Der Generalobere Pagliarini werde den Vorschlag des Vatikan nun seinem Rat vorlegen und dem Dikasterium für die Glaubenslehre die Antwort übermitteln, heißt es in der Mitteilung des Glaubensdikasteriums. Die Piusbruderschaft, die als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet wurde und diese ablehnt, steht seit Jahrzehnten im Konflikt mit dem Vatikan.