Forscher: Beschränkung von Integrationskursen "zu kurz gedacht"

Forscher: Beschränkung von Integrationskursen "zu kurz gedacht"
Die Bundesregierung beschränkt den Zugang zu Integrationskursen. Für freiwillige Teilnehmer will sie die Kosten nicht mehr tragen. Der Arbeitsmarkt- und Integrationsforscher Brücker hält das für einen Fehler.
10.02.2026
epd
epd-Gespräch: Corinna Buschow (epd)

Berlin (epd). Der Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker rechnet nach der angekündigten Zugangsbeschränkung für Integrationskurse mit negativen Beschäftigungseffekten und langfristig höheren Kosten für den Staat. „Der Abschluss von Integrations- und Berufssprachkursen hat nach unseren empirischen Befunden eindeutig positive Effekte für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten“, sagte der Forschungsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch fiskalpolitisch sei die Beschränkung „zu kurz gedacht“, sagte er.

Am Montag hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Trägern von Integrationskursen mitgeteilt, dass „bis auf Weiteres“ keine Teilnehmer mehr zugelassen werden, für die der Kurs nicht verpflichtend ist. Das betrifft Asylbewerber im Verfahren, Geduldete, Migranten aus der EU sowie Flüchtlinge aus der Ukraine. Begründet wird die Beschränkung mit den Kosten für die Kurse.

Brücker: Nettobelastung dürfte für den Staat steigen

Brücker gab zu bedenken, den kurzfristigen Kosteneinsparungen stünden steigende Kosten für Transferleistungen und geringere Einnahmen durch Steuern und Abgaben aufgrund der sinkenden Beschäftigungsquoten und geringeren Verdienste gegenüber. „Per saldo dürfte die Nettobelastung für den Staat steigen“, sagte er.

Eine Teilnahme an den Kursen soll weiter möglich sein, wenn die Betroffenen selbst dafür zahlen. „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass in größerem Umfang Selbstzahler an den Kursen teilnehmen“, sagte Brücker. Immerhin gehe es dabei um Menschen, die gerade kein Einkommen hätten.

Der Forscher geht davon aus, dass die Beschäftigungsquoten zumindest mittelfristig geringer ausfallen, wenn man Ukrainerinnen und Ukrainer von der Sprachkursteilnahme ausschließt oder den Zugang erschwert. „Im deutschen Arbeitsmarkt sind Kenntnisse der Landessprache besonders wichtig“, erläuterte er. Das sei in kleinen Ländern wie Dänemark, wo man auch mit englischen Sprachkenntnissen in vielen Jobs zurecht komme, anders. „Fehlende Sprachkenntnisse wirken sich deshalb hier nicht nur negativ auf die Beschäftigung, sondern auch auf die Qualität der Arbeit und die Verdienste aus“, sagte er.