Katholischer Reformdialog Synodaler Weg auf der Zielgeraden

Katholischer Reformdialog Synodaler Weg auf der Zielgeraden
Seit 2019 beraten Bischöfe und katholische Laien über Konsequenzen aus der Missbrauchskrise. Der Reformdialog endet nun mit gemischten Ergebnissen am Samstag in Stuttgart. Die Veränderungen stehen aber erst am Anfang.
29.01.2026
epd
Von Franziska Hein und Matthias Pankau (epd)

Stuttgart (epd). Der katholische Reformdialog Synodaler Weg hat nach Einschätzung des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, Türen geöffnet. So nehme man etwa queere Menschen in der katholischen Kirche heute anders wahr, sagte Bätzing am Donnerstag in Stuttgart anlässlich der Eröffnung der sechsten und letzten Synodalversammlung. Der Limburger Bischof ist zugleich Präsident des Synodalen Weges.

Bätzing sagte im Plenum, Ziel sei ein Kulturwandel. „Den haben wir begonnen, in den Synodalversammlungen zu leben.“ Selbstkritisch sagte er aber auch, es sei nicht gelungen, Betroffene sexualisierter Gewalt in wünschenswerter Weise in den Synodalen Weg einzubeziehen.

Stetter-Karp: „Froh um alles, was wir erreicht haben“

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Präsidentin des Synodalen Weges, Irme Stetter-Karp, sagte, sie sei froh „um alles, was wir erreicht haben“. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass Christen Wertvolles beizutragen hätten zu Frieden, Freiheit und Gemeinsinn. Deshalb dürfe sich die Kirche nicht mit sich selbst aufhalten. Sonst verspiele sie Vertrauen.

Thomas Söding, Vizepräsident des ZdK und des Synodalen Weges, sagte, die Probleme, die der Synodale Weg bearbeite, seien weltweite Probleme der katholischen Kirche: „Nämlich zu wenig Machtkontrolle, zu viel Klerikalismus, zu wenig Frauenrechte, zu viel Exklusion aufgrund der sexuellen Orientierung“.

Beitrag zu Enttabuisierung von Themen

Am Samstag endet der mehrjährige Reformprozess, der die Kirche infolge des Missbrauchsskandals aus der Vertrauenskrise führen sollte. 2019 hatten die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken das Dialogforum beschlossen, in dem Bischöfe und Laien gleichberechtigt über Reformen beraten und abstimmen. Bis 2023 wurden 15 Texte mit Reformvorschlägen verabschiedet, unter anderem für mehr Kontrolle und Gewaltenteilung in den Bistümern.

Mehr als 200 Mitglieder nahmen jeweils an den Synodalversammlungen teil. Die Theologie-Professorin Katharina Karl von der Katholischen Universität Eichstätt stellte am Abend Ergebnisse der Evaluation des Reformdialogs vor. Die befragten Synodalen sehen jedoch nur einen geringen Beitrag des Synodalen Weges in der Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt oder im Wiedergewinnen verlorengegangenen Vertrauens in der Kirche. In ihrer Einschätzung leistete der Synodal Weg aber einen großen Beitrag zur Enttabuisierung von Themen und zur Anerkennung diskriminierter Gruppen. Gefördert habe der Synodale Weg auch die Beteiligung von Laien an Entscheidungsprozessen in der Kirche über Beratungsgremien.

Vatikan intervenierte mehrfach

Der Vatikan hatte mehrfach während des Prozesses interveniert, zuletzt wegen Planungen zu einem dauerhaften synodalen Gremium, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam beraten und Beschlüsse fassen sollen. Der Vatikan hatte verboten, dass ein solches Gremium die Entscheidungsmacht der Bischöfe einschränkt. Die Satzung für die sogenannte Synodalkonferenz wurde jedoch verabschiedet, wartet aber noch auf die Zustimmung der Bischöfe und die Freigabe des Heiligen Stuhls. Das Gremium soll aber in diesem Jahr bereits erstmals tagen.