Verbände schlagen Reform der ambulanten medizinischen Versorgung vor

Verbände schlagen Reform der ambulanten medizinischen Versorgung vor
Sieben Verbände aus dem Sozialbereich haben ein Papier vorgelegt, wie die ambulante medizinische Versorgung zu reformieren sei. Das bisherige, arztzentrierte System soll demnach abgelöst werden.

Berlin (epd). Ein Bündnis aus sieben Sozialverbänden hat Vorschläge für eine Reform der ambulanten medizinischen Versorgung vorgelegt. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, erklärte am Freitag in Berlin, Patientinnen und Patienten dürften nicht zu Sündenböcken für Kostensteigerungen im Gesundheitssystem gemacht werden. Ein System, das auf möglichst viele Arztkontakte ausgerichtet sei, erzeuge hohe Kosten, ohne dass Patienten etwas dafür könnten. Zu dem Bündnis gehören neben dem VDK unter anderem die Verbraucherzentrale Bundesverband, der Deutsche Behindertenrat und die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen.

Die Vorschläge sehen unter anderem vor, den Arztvorbehalt für viele medizinische Leistungen zu reformieren. Weitere Gesundheitsfach- und Heilberufe sollten in die Versorgung eingebunden werden. Die Primärversorgung solle gemeinnützig organisiert und vor Gewinnmaximierung geschützt werden. Die freie Arztwahl müsse erhalten bleiben, Zuzahlungen und finanzielle Sanktionen wie etwa eine Praxisgebühr seien abzulehnen.

Primärversorgungszentren sollen Regionen versorgen

Derzeit gebe es im ambulanten Sektor nur wenige Möglichkeiten, sich verlässlich über die Versorgungsqualität einer Praxis zu informieren, kritisierten die Verbände. Es brauche daher ein niederschwelliges und allgemein zugängliches Transparenzportal. Außerdem solle ein einrichtungsübergreifendes Beschwerde- und Meldesystem für kritische Ereignisse etabliert werden.

Bei einer Neuvergabe eines Kassenarztsitzes oder einem Adresswechsel solle Barrierefreiheit künftig verbindlich sein, hieß es weiter. Sogenannte Primärversorgungszentren sollten im Rahmen einer Bedarfsplanung für eine Region die Versorgung sicherstellen und das „unkoordinierte Nebeneinander von Haus- und Facharztpraxen“ ablösen.