Berlin (epd). Der langjährige Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Johannes Tuchel, hat vom Bund eine gesicherte Finanzierung der NS-Gedenkstätten gefordert. Die von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) im November vorgestellte Gedenkstättenkonzeption der Bundesregierung nenne keine konkreten Zahlen, sagte Tuchel dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Das muss jetzt noch folgen.“
Tuchel betonte, es sei gut, dass es die Gedenkstättenkonzeption des Bundes gibt. „Das zeigt den politischen Willen dieser Bundesregierung, die NS-Gedenkstätten auch in Zukunft zu erhalten. Was fehlt, sind konkrete Vorgaben, was mit welchem Geld künftig gefördert wird. Das ist bislang eine Blackbox.“ Da hoffe er auf ein baldiges Förderkonzept im Zuge der parlamentarischen Beratungen, sagte der Historiker und Politikwissenschaftler.
Tuchel leitete 24 Jahre die Gedenkstätte im Bendlerblock
Tuchel leitete die Gedenkstätte im Bendlerblock, dem ehemaligen Sitz des Oberkommandos des Heeres, von 1991 bis Ende 2025. Seine Nachfolgerin an der Spitze der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand ist die Historikerin Julia Spohr.
Tuchel begrüßte es, dass Gedenkstätten „künftig Fördermittel für bauliche Maßnahmen zum Erhalt der historischen Gebäude beantragen können“ und die anwendungsorientierte Forschung stärker gefördert werde.
Kritik an der Gedenkstättenkonzeption
Zur von verschiedenen Seiten vorgetragenen Kritik an der Gedenkstättenkonzeption wegen der fehlenden Berücksichtigung des Kolonialismus sagte Tuchel: „Die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus und den von Deutschen begangenen Kolonialverbrechen ist eine eigene Thematik.“ Darauf hätten die Gedenkstätten aus dem NS- und dem SED-Bereich immer wieder hingewiesen. „Es ist gut, dass hier nichts vermengt wird, sondern die Kolonialzeit in einem eigenständigen Konzept aufgearbeitet werden soll.“
Es gehe um zwei unterschiedliche Komplexe deutscher Erinnerungspolitik, „die aus meiner Sicht nicht miteinander vermengt werden sollen“, sagte Tuchel: „Zum einen geht es um die spezifischen staatlichen Verbrechen im Nationalsozialismus und in der DDR, zum anderen um die imperiale Politik des deutschen Kaiserreiches und dessen Verbrechen in außereuropäischen Ländern.“


