Mexiko-Stadt, Guatemala-Stadt (epd). Der guatemaltekische Präsident Bernardo Arévalo hat nach Gefängnisaufständen und mehreren tödlichen Angriffen auf Polizisten den Ausnahmezustand ausgerufen. Der Ausnahmezustand gelte im ganzen Land und sei auf 30 Tage beschränkt, berichtete die Zeitung „Prensa Libre“ am Sonntag (Ortszeit). Unter anderem mit gemeinsamen Patrouillen von Militärs und Polizisten soll die öffentliche Sicherheit gewährleistet werden.
Seit Samstag meuterten Häftlinge in drei Gefängnissen des Landes und brachten insgesamt 46 Wärter in ihre Gewalt. Tags darauf verübten kriminelle Banden in Guatemala-Stadt 18 Anschläge gegen die Sicherheitskräfte, bei denen acht Polizeibeamte ums Leben kamen und mehrere verletzt wurden. Innenminister Marco Antonio Villeda teilte mit, er werde „nicht mit Terroristen verhandeln“, und ordnete an, die „ganze Staatsgewalt“ für die Rückeroberung der Gefängnisse einzusetzen.
Spektakuläre Flucht im Oktober
Die Gewaltwelle im zentralamerikanischen Land ist eine Reaktion auf die Entscheidung des Innenministeriums, den Anführern der Banden Privilegien zu entziehen und sie in andere Gefängnisse in Isolationshaft zu verlegen. Erst im Oktober 2025 hatten die guatemaltekischen Behörden mitgeteilt, dass 20 Bandenchefs als Polizisten verkleidet aus einem Gefängnis geschleust wurden, was zur Entlassung der Führungsspitze der Sicherheitsbehörden und des Innenministers führte. Nur sechs der geflohenen Kriminellen wurden bisher wieder gefasst, ein weiterer wurde erschossen. Nach der Flucht verabschiedete der Kongress von Guatemala ein Gesetz, das die Mitglieder der Straßenbanden zu Terroristen erklärte.


