München (epd). Der Düsseldorfer Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly gibt sich unbeeindruckt davon, dass ihm derzeit in Abwesenheit in Russland wegen Verunglimpfung der Staatsorgane der Prozess gemacht wird. Er mache seine Arbeit wie immer. „Weder nach dem Motto 'Jetzt erst recht', noch werde ich vor lauter Respekt vor dem Angriff besonders kleinlaut“, sagt Tilly dem Portal „Web.de News“ in einem am Dienstag veröffentlichten Interview.
Tilly hatte beim Rosenmontagszug in Düsseldorf im vergangenen Jahr ein Motiv mit der Aufschrift „Hitler-Stalin-Pakt 2.0“ fahren lassen. Dabei schütteln sich der amerikanische und der russische Präsident, Donald Trump und Wladimir Putin, die Hände und zerquetschen den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Zuvor hatte Tilly einen Wagen präsentiert, der Putin zeigt, wie er ein Blutbad in einer Badewanne nimmt, die die Farben der Ukraine hat.
„Humor ist eine sehr humane Waffe“
Er habe diese Wagen gebaut, „das kann ich nicht mehr rückgängig machen, und das will ich auch gar nicht. Wenn so die Folgen der Narrenfreiheit aussehen, dann muss ich das hinnehmen“, sagte Tilly. Der Prozess bestätige, dass Satire auch und vor allem autokratischen Herrschern wehtue. „Aber Humor ist eine sehr humane Waffe. Sie verletzt nicht physisch, und sie tötet auch nicht“, sagte der 62 Jahre alte Düsseldorfer Künstler.
Er nannte Angst angesichts des Prozesses einen schlechten Ratgeber. „Aber ich muss eine Risikoeinschätzung vornehmen, wenn ich reise. Manche Staaten gehen nun nicht mehr, Indien, Serbien, Indonesien: alle Länder, die ein Auslieferungsabkommen mit Russland haben“, sagte Tilly. Aber Italien sei ohnehin am schönsten.
Welche Wagen er in diesem Jahr zum Karneval präsentiert, verriet der Künstler nicht: „Wir haben strenge Geheimhaltung in Düsseldorf. Am Rosenmontag gehen die Tore auf, dann sieht man die Wagen.“


