Basel, Berlin (epd). Die Öffnung des Verbands „Die Familienunternehmer“ für Gespräche mit der AfD sorgt weiter für Kritik. Der Soziologe Oliver Nachtwey sieht darin eine weitere Schwächung der sogenannten Brandmauer. „Es ist ein weiteres Element zur Stärkung der AfD, weil sie so zu legitimen Gesprächspartnern erklärt werden“, sagte der Wissenschaftler der Universität Basel dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das sei „ein Vorschlaghammer, um die Brandmauer einzureißen“. Der Wirtschaftsweise Achim Truger warnt vor den Folgen einer AfD-Wirtschaftspolitik.
Der Verband „Die Familienunternehmer“ hatte im Oktober zu einem Parlamentarischen Abend in Berlin auch die AfD eingeladen. Seitdem wird über den Umgang der Wirtschaft mit der Partei diskutiert.
Parteien für Zuspruch zur AfD mitverantwortlich
Nachtwey erwartet eine weitere Infragestellung des Kooperationsverbots der Union mit der AfD, falls im kommenden Jahr die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern verloren gehen sollten. „Das wird dann sicher nochmal neu verhandelt werden“, sagte er.
Für den wachsenden Zuspruch zur AfD machte der Soziologe zu großen Teilen die etablierten Parteien verantwortlich. „Die Mehrheit der Bevölkerung denkt sehr stark demokratisch“, erklärte er, „sie sieht in der AfD eine Gefahr für die Demokratie.“ Aber die Politik reagiere auf die AfD mit einer Politik, die deren Text- und Drehbücher kopiere, etwa was Kriminalität oder Meinungsfreiheit betreffe. Hier würden Probleme „dramatisch vergrößert und zur Gesamtbedrohung stilisiert“.
AfD-Politik schadet deutscher Wirtschaft
Auch der Wirtschaftsweise Achim Truger meldete sich nun zu Wort. „Mir ist klar, dass die Lage in manchen Unternehmen nach vielen Jahren der Krise und immer neuen ökonomischen Schocks sehr angespannt ist, aber ich hielte es für völlig irrational, wenn sich die Familienunternehmer tatsächlich etwas wirtschaftlich Positives von der AfD erhofften“, sagte Truger dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Samstag).
Die Partei stehe Migration und ausländischen Arbeitskräften „feindlich gegenüber“, sagte Truger. Das sei das Gegenteil von dem, was die Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels bräuchten. Zudem stehe die Partei der EU und dem Binnenmarkt kritisch gegenüber und habe sogar schon einen deutschen EU-Austritt befürwortet. Dies sei „extrem kontraproduktiv für die exportintensive deutsche Wirtschaft“.




