Mehr als 280 Straftaten gegen Gedenkstätten im Jahr 2025

Mehr als 280 Straftaten gegen Gedenkstätten im Jahr 2025
Gedenkstätten werden zur Zielscheibe für Gewalt und Angriffe. Eine Anfrage an die Bundesregierung zeigt mehrere Hundert Fälle, darunter auch Übergriffe in KZ-Gedenkstätten.
29.11.2025
epd
Von Franziska Hein (epd)

Berlin (epd). Historische Gedenkstätten sind in Deutschland nach Zahlen der Bundesregierung in diesem Jahr bereits mehr als 280 Mal Ziel von Straftaten gewesen. Das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Am häufigsten kam es demnach zu Sachbeschädigungen.

Seit 2019 erfasst die polizeiliche Kriminalstatistik unter dem Begriff „Gedenkstätte“ Straftaten und Angriffe auf alle Gedenkstätten, darunter auch solche mit Bezug zum Nationalsozialismus, Ehrenmale, Gedenktafeln, „Stolpersteine“ und Mahnmale. In der Statistik werden auch Fälle von politisch motivierter Kriminalität erfasst, aber keine sogenannten Staatsschutzdelikte wie etwa der Messerangriff auf einen Touristen am Berliner Mahnmal für die ermordeten Juden im Februar.

Mehr als 460 gemeldete Delikte insgesamt

Im abgefragten Zeitraum zwischen dem 1. Juli 2024 und dem 31. Oktober 2025 kam es insgesamt zu mehr als 460 gemeldeten Übergriffen gegen Gedenkstätten. Jahresvergleiche sind nach Auskunft der Bundesregierung nur schwer möglich.

Unter den 462 Taten seit Juli vergangenen Jahres waren mehr als 60 Mal größere NS-Gedenkstätten Ziel von Delikten wie Sachbeschädigung, Störung der Totenruhe, Volksverhetzung oder Propagandadelikten. In Deutschland gibt es über 300 Gedenkstätten und Lernorte zu den NS-Verbrechen.

Die Aufklärungsquote der Straftaten ist insgesamt oft gering. Für die Fälle aus dem Jahr 2024 belief sie sich den Angaben zufolge auf knapp 5 Prozent, bei den Fällen aus dem Jahr 2025 auf knapp 7 Prozent.

Mehrheit der Fälle rechtsextremistisch motiviert

In der deutlichen Mehrheit der Fälle (über 60 Prozent) wurden die Straftaten dem rechten Spektrum zugeordnet. In nur acht Prozent der Fälle wurde eine ausländische, darunter auch eine islamistische, Ideologie vermutet. Etwas häufiger, nämlich in knapp 14 Prozent der Fälle, war die Tat den Angaben zufolge links motiviert.

In der Antwort auf die Anfrage heißt es, im Bereich des Rechtsextremismus stellten Angriffe auf NS-Gedenkstätten, wie etwa Sachbeschädigungen und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen, grundsätzlich eine gezielte Form der Provokation dar. Angriffe auf NS-Gedenkstätten erfolgten zumeist aus einem ideologischen Kontext heraus, in dem die Täter versuchten, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen, um ihre eigenen extremistischen Ziele zu verfolgen.

Gedenkstätten unter Druck

Die Gedenkstättenlandschaft sei von Überlebenden der nationalsozialistischen Verbrechen und ihren Angehörigen mühsam gegen massive Widerstände erkämpft worden und stehe nun massiv unter Druck, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger dem epd. Die Zahlen der Bundesregierung bildeten nur einen Ausschnitt der Realität ab. Sie forderte eine eigene Kategorie in der polizeilichen Kriminalstatistik für NS-Gedenkstätten, damit die Behörden mit einem präzisen Lagebild wirksame Schutzkonzepte entwickeln könnten.

Die KZ-Gedenkstätten Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen sind den Angaben zufolge häufiger über den abgefragten Zeitraum von rechten Straftaten betroffen gewesen. Regelmäßige Umfragen des epd unter den NS-Gedenkstätten geben auch Hinweise darauf, dass die Zahl antisemitischer und israelbezogener Vorfälle seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 gestiegen ist.