Basel (epd). Der Soziologe Oliver Nachtwey sieht in der Öffnung des Verbands „Die Familienunternehmer“ für Gespräche mit der AfD eine weitere Schwächung der sogenannten Brandmauer. „Es ist ein weiteres Element zur Stärkung der AfD, weil sie so zu legitimen Gesprächspartnern erklärt werden“, sagte der Wissenschaftler der Universität Basel dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das sei „ein Vorschlaghammer, um die Brandmauer einzureißen“.
Wer sich entscheide, in einer gesichert rechtsextremen Partei zu sein, gehöre nicht zur Gruppe der Demokraten, sagte Nachtwey. Ob man als AfD-Mitglied alle Punkte der Partei inhaltlich teile, sei eine künstliche Unterscheidung.
Sorgen wegen Normalisierung
Nachtwey erwartet eine weitere Infragestellung des Kooperationsverbots der Union mit der AfD, falls im kommenden Jahr die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern verloren gehen sollten. „Das wird dann sicher nochmal neu verhandelt werden“, sagte er.
Für den wachsenden Zuspruch zur AfD machte er zu großen Teilen die etablierten Parteien verantwortlich. „Die Mehrheit der Bevölkerung denkt sehr stark demokratisch“, erklärte er, „sie sieht in der AfD eine Gefahr für die Demokratie.“ Aber die Politik reagiere auf die AfD mit einer Politik, die deren Text- und Drehbücher kopiere, etwa was Kriminalität oder Meinungsfreiheit betreffe. Hier würden Probleme „dramatisch vergrößert und zur Gesamtbedrohung stilisiert“.
Die Sozialwissenschaft habe mittlerweile überzeugende Belege dafür, dass ein solches Vorgehen nicht Wähler vom rechten Rand zurückhole, sondern die Inhalte ultrarechter Parteien normalisiere, sagte Nachtwey weiter. Sollte diese Normalisierung weitergehen, „dann muss man sich wirklich Sorgen machen“.




