OECD: Rentenfinanzierung für Deutschland "besonders herausfordernd"

OECD: Rentenfinanzierung für Deutschland "besonders herausfordernd"
Die Gruppe der Menschen, die in die Rentenkasse einzahlt, schrumpft in Deutschland laut einer OECD-Studie besonders schnell. Um die Finanzierung zu sichern, müsse die Lebensarbeitszeit länger werden.
27.11.2025
epd
Von Christina Neuhaus (epd)

Berlin (epd). Die Politik diskutiert über die Rente - zu Recht, wie eine OECD-Analyse zeigt: Die künftige Rentenfinanzierung werde für Deutschland „besonders herausfordernd“, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie. Hauptgrund sei der schnelle Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Die Autorinnen und Autoren empfehlen deswegen eine längere Lebensarbeitszeit.

In den nächsten 40 Jahren werde die Zahl der Menschen im Erwerbsalter in Deutschland um 23 Prozent sinken, heißt es in der Studie „Renten auf einen Blick 2025“. Im OECD-Durchschnitt betrage das Minus nur 13 Prozent. Bereits im Jahr 2054 würden in Deutschland auf 100 Menschen zwischen 20 und 64 Jahren etwa 60 Menschen über 65 kommen. Im Durchschnitt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seien es 55.

Kritik an automatischem Job-Ende

Der Schlüssel zur künftigen deutschen Rentenfinanzierung liege somit in einer längeren Lebensarbeitszeit, erklären die Expertinnen und Experten. Konkret wird in der Untersuchung eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung vorgeschlagen. Außerdem könnten vorzeitige Renteneintritte weniger attraktiv gemacht werden. Die Kombination aus Rentenbezug und Arbeit wiederum lasse sich attraktiver gestalten, heißt es in der Studie.

Die OECD kritisiert zudem, dass es in Deutschland erlaubt ist, in Arbeitsverträgen das automatische Ende des Arbeitsverhältnisses bei Erreichen des Renteneintrittsalters zu vereinbaren. Dies schränke die Wahlmöglichkeiten älterer Menschen ein und sei ein Hindernis auf dem Weg zur längeren Lebensarbeitszeit.

Geschlechterunterschiede sind geschrumpft

Die Studie beleuchtet auch die Unterschiede bei der Rente zwischen Männern und Frauen. Demnach ist die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern seit 2007 deutlich geschrumpft, bleibt aber mit 23 Prozent über dem OECD-Durchschnitt. Somit bekommen Frauen in Deutschland im Schnitt fast ein Viertel weniger Rente als Männer.

Da es in der Arbeitswelt weiterhin deutliche Geschlechterunterschiede gebe, werde der sogenannte Gender Pension Gap auch künftig relevant bleiben, sagt die OECD voraus. Frauen verdienten im Laufe ihres Lebens insgesamt deutlich weniger als Männer und würden somit auch weniger Rentenansprüche erwerben.

Der niedrigere Gesamtverdienst von Frauen erkläre sich vor allem durch ein geringeres Arbeitsvolumen und niedrigere Stundenlöhne, heißt es in der Untersuchung weiter. Zuletzt hätten Frauen 7,5 Stunden weniger Erwerbsarbeit pro Woche geleistet als Männer und ihr durchschnittlicher Stundenlohn habe um 21 Prozent niedriger gelegen. Über das gesamte Arbeitsleben gesehen waren Frauen der Analyse zufolge 4,2 Jahre weniger erwerbstätig.