Auswärtiges Amt: Zustände in Haiti "furchtbar"

Auswärtiges Amt: Zustände in Haiti "furchtbar"

Berlin (epd). Nach andauernder Bandengewalt schätzt das Auswärtige Amt die Lage in Haiti als angespannt ein. Die Zustände in dem Land seien furchtbar, sagte ein Sprecher des Außenamts am Montag in Berlin. Eine Reihe von großen, gut bewaffneten Banden fordere das Staatswesen heraus. Wegen der „sehr zugespitzten und unberechenbaren Sicherheitslage“ waren am Sonntag der deutsche Botschafter und der Ständige Vertreter aus Haiti ausgereist, wie der Sprecher sagte. Sie seien in der benachbarten Dominikanischen Republik und würden von dort die Arbeit fortführen.

Auch die Europäische Union hat ihre diplomatische Vertretung in dem bitterarmen Karibikstaat stark reduziert. Am Sonntag hatte die europäische Delegation in Haiti auf der Internetplattform X (ehemals Twitter) die Schließung ihrer Büros in Haiti bekannt gegeben.

Seit Tagen erlebt Haiti eine Welle von Bandengewalt. Vor rund einer Woche hatten bewaffnete Gruppen das Gefängnis in Port-au-Prince angegriffen und laut Medienberichten fast 3.600 der knapp 3.700 Insassen die Flucht ermöglicht. Weitere Gefangene flohen aus der zweitgrößten Haftanstalt in der Stadt Croix des Bouquets.

Die koordinierten Angriffe auf die Gefängnisse und auch auf Polizeistationen erfolgten, nachdem die Banden einen Aufstand gegen die Regierung angekündigt hatten. Aufgrund der massiven Verschlechterung der Sicherheitslage hatte die Regierung den Notstand mit nächtlicher Ausgangssperre ausgerufen.

Die Bandengewalt hat laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) innerhalb einer Woche mindestens 15.000 Personen in der Hauptstadt Port-au-Prince in die Flucht getrieben. Laut den Vereinten Nationen sind in Haiti seit Jahresbeginn etwa 1.200 Menschen getötet und knapp 700 verletzt worden. Mehr als 313.000 Menschen seien auf der Flucht. Die staatliche Grundversorgung wie das Gesundheitssystem stünden vor dem Kollaps, Tausende Menschen seien von humanitärer Hilfe abgeschnitten.