"Seht die Vögel unter dem Himmel an"

Himmelsvögel

Foto: Ultrabrite/photocase

"Seht die Vögel unter dem Himmel an"
Blick zum Himmel: Blau, Sonnenstrahlen… und ein paar Vögel, die munter hin und her flattern. "Seht die Vögel unter dem Himmel…", sagt Jesus in einer Rede im Matthäusevangelium - er fordert uns auf, nach oben zu schauen. Eine Andacht zu unserem Schwerpunnkt "Blick zum Himmel".

"Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?" (Matthäus 6, Vers 26)

"Sorgt euch nicht um euer Leben", sagt Jesus (Vers 25), weder darum was wir essen noch darum was wir anziehen sollen. Auch nicht um die roten Zahlen auf dem Konto oder die zwickenden Kniegelenke. Sorgt euch nicht um diese Kleinigkeiten des Alltags – es gibt Wichtigeres! Seht die Vögel, schaut nach oben – zum Himmel! Vermutlich fällt uns das unterschiedlich leicht oder schwer, sich keine Sorgen zu machen und zuversichtlich in den Tag zu leben. Es gibt verschiedene Sorgen-Typen, je nach Persönlichkeit - je nach Blickrichtung.

Der Sachtyp ist still und nachdenklich, reden ist nicht seine Sache. Er ist in sich gekehrt und analysiert, was passiert ist, erkennt Zusammenhänge und weiß viel. Der Sachtyp denkt an sich selbst und sorgt sich darum, ob er wohl genug beachtet wird in seinem Stillsein. Die Blickrichtung des Sachtypen geht in die Vergangenheit - nach hinten.

Der Mensch ist, was er sucht

Der Handlungstyp ist genau das Gegenteil. Selbstbestimmt und kraftvoll tritt er auf, weiß was er will, ist entschlossen und voller Energie. "Wir schaffen das!" sagt der Handlungstyp - und ist davon doch manchmal doch nicht so ganz überzeugt. Seine Sorge: Kann ich das umsetzen, was ich will? Die Blickrichtung des Handlungstypen geht in die Zukunft - nach vorne.

Und dann ist da noch der Beziehungstyp. Er lebt von der Liebe, ist kommunikativ und lebendig, kann sich gut in andere einfühlen. Der Beziehungstyp ist in Sorge, ob er genug geliebt wird. Er steht fest auf dem Boden der Gegenwart, lebt im Hier und Jetzt, denkt an die anderen. Seine Blickrichtung: zur Seite.

Der Eine schaut nach hinten, der Andere nach vorn, der Dritte zur Seite. Alle drei sorgen sich - oder anders ausgedrückt: Sie streben nach etwas, sind auf der Suche. Die Blickrichtung, in der wir suchen, macht unsere Persönlichkeit aus. "Was der Mensch am tiefsten ist, wird durch das bestimmt, worauf er aus ist, was er 'sucht'", schreibt der Theologe Eduard Schweizer in seinem Kommentar zu dieser Jesus-Rede.

Die Bedingung: Denkt an Gottes Maßstab

Es geht nicht darum, unsere unterschiedlichen Persönlichkeiten zu kritisieren oder verbessern zu wollen. Wir sind gut so - mit unserem Sorgen und Fühlen und Wollen - jeder mit seiner besonderen Blickrichtung. Der Eine analysiert und erkennt, der Andere plant und macht, der Dritte achtet auf den Zusammenhalt. Doch Jesus schlägt trotzdem eine andere Blickrichtung vor: Nach oben. "Seht die Vögel unter dem Himmel…" Der Blick zum Himmel kann befreien und entlasten von den Sorgen des Alltags, die uns gerade auf die Pelle rücken.

Da oben, noch hinter den Vögeln, jenseits des blauen Himmels, stellen wir uns Gott vor. "Euer himmlischer Vater" nennt ihn Jesus, ihm könnt ihr vertrauen. Wenn das schon die Vögel tun, dann erst recht ihr. Euer himmlischer Vater wird euch versorgen mit allem, was ihr braucht – mehr noch als Kleidung, Essen und Trinken, Geld und Gesundheit.

Aber nicht einfach so! Nein, die Aufforderung zur Sorglosigkeit ist an eine Bedingung geknüpft. Und diese Bedingung heißt: Denkt daran, welche Maßstäbe Gott gesetzt hat. Zum Himmel blicken, das heißt auch: Überlegt, was wirklich wichtig ist im Leben - jenseits der Alltagssorgen. "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen", heißt es in Vers 33. Das klingt etwas abstrakt, dieses "Reich Gottes und seine Gerechtigkeit" - was soll das sein?

Irgendwann, irgendwo - im Himmel vielleicht?

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Wenn Jesus vom Reich Gottes sprach, dann blieb meistens unklar, ob er dabei die Gegenwart oder die Zukunft meinte. Ob er neben sich oder nach vorn schaute. Vermutlich beides. Er sah den Menschen im Hier und Jetzt: Die kranke Frau, den trauernden Vater, den hilfesuchenden Behinderten, den verzweifelten Sünder. Und kümmerte sich um sie. Das Reich Gottes begann mit ihm, Jesus – auf der Erde im Jahr null. Er fing an, eine Gemeinschaft zu bauen, in der alle gleich viel wert waren - ohne oben und unten, ohne besser oder schlechter, ohne reich und arm.

In diesem „Reich Gottes“, das Jesus meint, versuchen die Menschen Frieden zu halten und aufeinander zu achten. Sie bitten um Verzeihung und tragen dem anderen nichts nach. Sie teilen miteinander und besuchen den, der krank ist. Eigentlich gar nicht so schwierig. Wir können durchaus schon damit anfangen, das Reich Gottes zu bauen. Gott baut es dann fertig, irgendwann irgendwo im Jenseits - dort oben im Himmel vielleicht? So richtig wissen wir es nicht. Aber auf jeden Fall kommt da noch was! Konzentrieren wir uns also auf das, was von Gott kommt anstatt auf all unser tägliches Sorgen. Blicken wir zum Himmel!

Das heißt nicht, dass all die anderen Blickrichtungen wertlos sind. Der Sachtyp soll ruhig nach hinten blicken und analysieren, der Handlungstyp nach vorn und planen, der Beziehungstyp neben sich und lieben. Aber entspannt und ohne Sorge. Mit dem Wissen, dass der Blick nach oben der Entscheidende ist. Darin sind all unsere Blickrichtungen zusammengefasst. Der Blick zum Himmel ist wie ein Gebet: dass all unser Denken und Tun und Lieben im Reich Gottes einen Sinn haben möge.

Amen.