Lammert: Eindruck sinkender Bedeutung von Religion täuscht

Lammert: Eindruck sinkender Bedeutung von Religion täuscht

Der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) geht davon aus, dass Religion im politischen Diskurs nicht an Bedeutung verliert. Aus westlicher Perspektive erscheine Beobachtern die Säkularisierung als eine der hervorstechendsten und nicht abwendbaren Merkmale der Gegenwart, sagte der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung am Dienstag in Berlin. Der Eindruck täusche aus seiner Sicht doppelt, fügte er hinzu.

Zum einen seien Religionen weder aus den Gesellschaften noch aus der Politik verschwunden. Zum anderen neigten Europäer dazu, "die eigene Entwicklung als die einzig Mögliche zu halten", sagte Lammert. Weltweit erlebe man aber eine Revitalisierung von Religion im öffentlichen Raum, zugleich auch eine stärkere Instrumentalisierung. "Darüber wollen und müssen wir auch reden", sagte Lammert.

Er verteidigte das deutsche Verhältnis von Staat und Kirchen. Die historisch gewachsene Trennung solle aufrechterhalten werden. Zugleich müsse es aber auch "eine intelligente Verbindung" geben. Es sei nicht so, "als hätten die beiden nichts miteinander zu tun".

Lammert äußerte sich bei einer Veranstaltung zum 70. Jahrestag des Evangelischen Arbeitskreises der CDU und CSU (EAK), die von der Adenauer-Stiftung ausgerichtet wurde. Der EAK wurde am 14. März 1952 in Siegen gegründet. Anliegen war es damals, die evangelischen Stimmen in den Unionsparteien zu stärken. Die konfessionellen Unterschiede haben über die Jahre innerhalb der CDU und CSU wie auch gesamtgesellschaftlich an Bedeutung verloren. Heute versteht sich der Arbeitskreis vor allem als innerparteiliches Forum für Wertediskussionen sowie Brücke zwischen Politik und Kirchen.