EKD-Ratsvorsitzende ruft zu Friedensanstrengungen auf

EKD-Ratsvorsitzende ruft zu Friedensanstrengungen auf

Bielefeld (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, sieht mit Sorge auf den Krisenherd im Osten Europas und mahnt zu Friedensanstrengungen. „Zur Zeit schaue ich mit Furcht und Zittern auf das, was sich in der Ukraine abspielt“, sagte Kurschus am ersten Weihnachtstag in einem Gottesdienst in Bielefeld. Sie frage sich: „Wo wird die Rhetorik der Feindschaft, wo wird die Spirale der Eskalation enden?“ Nötig sind ihrer Ansicht nach „Gesten der Entfeindung“, von denen die biblische Weihnachtsbotschaft der Hoffnung erzählt: „Bleibt in der Liebe! Haltet zusammen! Seid um Gottes Willen solidarisch miteinander!“, appellierte die westfälische Präses.

Kurschus erinnerte an das sogenannte Weihnachtswunder von 1914, als im Ersten Weltkrieg deutsche und britische Soldaten in den Schützengräben der Westfront ihre Waffen beiseite legten, ihr Essen teilten, zusammen Weihnachtslieder sangen und Fußball spielten. Dieses Ereignis sei ein „ein göttlicher Moment voll tiefer Menschlichkeit“ gewesen, sagte die EKD-Ratsvorsitzende. „Zwei Tage war dort in Flandern die Herrlichkeit der Kinder Gottes offenbar, und wo alle Kinder Gottes sind, da sind sie keine Feinde, sondern Geschwister.“

Ein Ende der militärischen Drohgebärden an der ukrainischen Grenze wäre aus ihrer Sicht solch ein Weihnachtswunder, sagte Kurschus. „Es kann auch im Januar sein oder an einem heißen Sommertag. Weihnachten ist keine Sache des Datums“, betonte sie. Denn Weihnachten sei eine Sache der komplett neuen Sicht.

Seit Wochen gibt es an der ukrainischen Grenze russische Truppenbewegungen. Westliche Länder befürchten einen Einmarsch russischer Soldaten in das Nachbarland.