Caritas: Politik muss arme Menschen stärker in den Blick nehmen

Caritas: Politik muss arme Menschen stärker in den Blick nehmen

Der Deutsche Caritasverband hat die Politiker der Sondierungsgespräche zur nächsten Bundesregierung aufgefordert, mehr an arme und verletzliche Menschen am Rande der Gesellschaft zu denken. Sie würden im politischen Prozess nicht genügend wahrgenommen, sagte der scheidende Caritas-Präsident Peter Neher am Donnerstag vor Journalisten in Freiburg: "Teilhabe und gesellschaftlicher Zusammenhalt muss groß geschrieben werden." Sonst drohe eine weitere Spaltung der Gesellschaft, so Neher.

Zudem müsse die nächste Bundesregierung den Klimaschutz sozial gerecht ausgestalten. Als eine Maßnahme forderte Neher eine höhere CO2-Bepreisung, die mit einer ausreichend hohen Rückvergütung gekoppelt werden müsse. Zudem warb er für die Abschaffung des Dienstwagenprivilegs.

Die neu gewählte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa sagte, sie stehe für Kontinuität, aber - als erste Frau an der Spitze des katholischen Wohlfahrtverbandes - auch für Wandel. Ihre Wahl sei auch ein Zeichen, dass Veränderung in der katholischen Kirche möglich sei, sagte die neue Caritas-Präsidentin, die ihr Amt Mitte November antritt.

Wichtig seien ihr die Themen Digitalisierung, sozial gerechter Klimaschutz, Sicherung einer engmaschigen sozialen Infrastruktur sowie die Wahrnehmung der internationalen Verantwortung des Deutschen Caritasverbandes. Ein wichtiges Anliegen sei ihr auch die "Dauerbaustelle Pflege", sagte Welskop-Deffaa.

Die Caritas hatte mit der Volkswirtschaftlerin am Mittwoch erstmals eine Frau an ihre Verbandsspitze gewählt. Peter Neher hatte den katholischen Wohlfahrtsverband 18 Jahre lang geführt und nicht mehr für das Leitungsamt kandidiert.