Steinmeier: Müssen nach der Corona-Pandemie Wunden heilen

Steinmeier: Müssen nach der Corona-Pandemie Wunden heilen
3. Ökumenischer Kirchentag geht mit Appell für Gerechtigkeit zu Ende
Mit einem Gottesdienst ist am Sonntag der 3. Ökumenische Kirchentag zu Ende gegangen. Predigerinnen forderten mehr Gerechtigkeit in den Kirchen. Bundespräsident Steinmeier appellierte an die Gesellschaft, sich nach dem Streit um Corona zu versöhnen.

Frankfurt a.M. (epd). Zum Abschluss des Ökumenischen Kirchentags hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Versöhnung nach der Corona-Pandemie aufgerufen. „Wir müssen die Wunden heilen, die Corona in unserer Gesellschaft geschlagen hat“, sagte Steinmeier in seinem Grußwort zum Abschlussgottesdienst am Sonntag in Frankfurt am Main. Es sei erbittert gestritten worden über das Virus, Maskenpflicht, Beschränkung und Lockerung, Kita und Schule, Impfstoffe und Impfreihenfolge. Bei vielen sei die Geduld erschöpft, Freundschaften seien zerbrochen, Familien entzweit worden - „tiefe Risse gehen durch unsere Gesellschaft“, sagte Steinmeier.

Man müsse wieder Brücken bauen „zwischen Menschen und Gruppen, die die Pandemie verfeindet hat“. „Der Prozess der gesellschaftlichen Versöhnung wird länger dauern als die 15 Monate, die hinter uns liegen“, sagte er. Heilung der Wunden bedeute Wiederannäherung, „wo wir uns fremd geworden sind“.

Die Predigerinnen im Gottesdienst zum Abschluss des 3. Ökumenischen Kirchentags riefen zu Versöhnung und Gerechtigkeit zwischen den Religionen, Konfessionen, Geschlechtern und Generationen auf. Wer nach Gerechtigkeit jage, jage nach einem guten Leben für alle, sagte die Pastorin der evangelisch-methodistischen Kirche, Mareike Bloedt. Die Jugend sei in der Corona-Krise solidarisch mit den Alten gewesen. „Die Klimakrise bietet eine Chance für die Alten sich mit der Jugend solidarisch zu zeigen.“

Die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Katharina Ganz, forderte, Frauen den Zugang zu allen Ämtern und Diensten in der katholischen Kirche zu ermöglichen. Einseitige männliche Herrschaft müsse überwunden werden. Zudem forderte die katholische Ordensschwester, „Überlebende von sexualisierter Gewalt in die Mitte“ zu stellen sowie ein neues Miteinander zwischen den Geschlechtern und ökumenische Geschwisterlichkeit zu leben. Missbrauch und die Annäherung der christlichen Konfessionen waren zentrale Themen des 3. Ökumenischen Kirchentags.

Wegen der Corona-Pandemie war die Besucherzahl für den Gottesdienst an der Weseler Werft auf 400 begrenzt worden. Er wurde im Stream und im ZDF übertragen. Die Liturgie des Gottesdienstes gestalteten Vertreter verschiedener Konfessionen: der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing, der evangelische Kirchenpräsident in Hessen-Nassau, Volker Jung, und der griechisch-orthodoxe Erzpriester Radu Constantin Miron, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) ist. Unter den Gästen waren unter anderem der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Der Kirchentag fand seit Donnerstag weitgehend digital statt. Die rund 100 Veranstaltungen befassten sich mit aktuellen gesellschaftlichen Themen wie dem Klimaschutz und den Folgen der Corona-Pandemie, aber auch mit Fragestellungen aus dem kirchlichen Leben.