Theologe Becker-Huberti: Weihnachten in der Pandemie neu entdecken

Theologe Becker-Huberti: Weihnachten in der Pandemie neu entdecken
24.11.2020
epd-Gespräch: Karsten Frerichs
epd

Der katholische Theologe Manfred Becker-Huberti empfiehlt Familien die Rückbesinnung auf christliche Bräuche, um die Weihnachtsbotschaft unter den Bedingungen der Corona-Pandemie neu zur Geltung zu bringen. Wenn die Feiern kleiner ausfallen, auf Geschenke im Übermaß und Völlerei an den Festtagen verzichtet wird, habe jeder die Chance, die christliche Bedeutung des Festes stärker in den Mittelpunkt zu stellen, sagte der Brauchtumsexperte dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Ich glaube, dass man den Boden manchmal besser sieht, wenn man geduckt wird."

Unter anderem empfahl Becker-Huberti, biblische Texte zu lesen und in der Familie darüber zu sprechen. Beim Festessen sei es ein schöner Brauch, ein zusätzliches Gedeck vorzusehen. Es symbolisiere, dass ein Bedürftiger Platz findet, sollte er unerwartet an die Tür klopfen. Auch der Brauch, eine Woche vor Heiligabend am 17. Dezember das Christkindle einzuläuten, weise darauf hin, dass alle Nachbarn, aber auch Obdachlose, alleinstehende und kranke Menschen zu Weihnachten eingeladen seien.

Generell empfahl Becker-Huberti, die Adventszeit in Vorbereitung auf Weihnachten bewusst zu begehen. "Jedes Ereignis, dass uns weit heraustragen soll, braucht eine Rampe", sagte der Theologieprofessor. Als Beispiel für einen Adventsbrauch in der Familie nannte er das "Strohhalmlegen" ab dem ersten Advent: Jeder, der sich um die Hausarbeit verdient gemacht oder anderweitig eine gute Tat vollbracht habe, dürfe im Advent einen Strohhalm in eine Krippe legen, damit das Christkind am 24. Dezember weich liegen kann.

Becker-Huberti nannte es rückblickend "nicht sehr klug" von der Politik, mit den seit Anfang November geltenden Kontaktbeschränkungen den Menschen Hoffnungen auf ein Weihnachtsfest wie in jedem Jahr gemacht zu haben. Unabhängig davon, ob jemand Weihnachten wegen seiner religiösen Botschaft wertschätze, sich auf arbeitsfreie Zeit oder das ausgiebige Feiern mit Freunden und Verwandten freue, habe das Fest eine besondere emotionale Bedeutung. "Man sollte nichts versprechen, was man nicht halten kann", sagte der Theologieprofessor und fügte hinzu: "Dass die Infektionszahlen nicht entscheidend gesunken sind, liegt nicht an den Politikerinnen und Politikern, sondern an Teilen der Bevölkerung, die auf das Feiern nicht verzichten wollten."

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