Corona stellt Ökumenischen Kirchentag infrage

Corona stellt Ökumenischen Kirchentag infrage
Ein halbes Jahr vor dem 3. Ökumenischen Kirchentag steht dessen Absage im Raum. Der Frankfurter Kirchen-Dezernent Becker legt das angesichts der aktuellen Corona-Lage nahe. Die Organisatoren betonen: "Noch ist nichts entschieden."
11.11.2020
Von Karsten Frerichs (epd)
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Frankfurt a.M. (epd). Der 3. Ökumenische Kirchentag steht auf der Kippe. In den nächsten Tagen beraten die Organisatoren mit der Stadt Frankfurt am Main, ob das für Mai 2021 geplante Christentreffen trotz Corona-Pandemie stattfinden kann. Der für Kirchen zuständige städtische Dezernent Uwe Becker (CDU) machte wenig Hoffnung. Die Veranstalter indes betonten: "Noch ist nichts entschieden." Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte am Mittwoch, die Entscheidung darüber, ob das Christentreffen stattfindet oder nicht, liege nicht bei der Stadt, sondern bei den Veranstaltern, also dem Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Bürgermeister Becker hatte zuvor der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch) gesagt, bei aller Freude über dieses Fest des Glaubens und des Miteinanders stelle sich die Frage, ob eine solche Großveranstaltung mit 30.000 oder mehr Teilnehmern in Zeiten von Corona zu verantworten sei. Die endgültige Entscheidung werde allerdings erst in den nächsten Tagen in Gesprächen zwischen der Stadt und Spitzenvertretern der evangelischen und katholischen Kirche getroffen. Beckers Sprecherin Wiebke Reimann sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Es ist eine superschwierige Situation."

Oberbürgermeister Feldmann erklärte, dass ihn die Realisierung des Kirchentags freuen würde: "Er wäre ein Zeichen der Hoffnung, nicht nur für Gläubige." Wenn die Verantwortlichen aber zu dem Schluss kämen, dass der Kirchentag im Mai 2021 nicht zu verantworten ist, hätten sie die volle Unterstützung der Stadt. "Die Gesundheit steht über allem", sagte Feldmann.

Kirchentagssprecher Mario Zeißig erklärte: "Wir verstehen die schwierige Situation der Stadt Frankfurt." Auch die Veranstalter Deutscher Evangelischer Kirchentag und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken würden seit geraumer Zeit alle Möglichkeiten prüfen. Es gehe darum "zu schauen, wie die Vorbereitung des Kirchentags unter den gegebenen Umständen möglich ist", sagte Zeißig dem epd. Ende der Woche würden die Verantwortlichen mit der Stadt sprechen. Die Präsidenten des Kirchentages, Bettina Limperg und Thomas Sternberg, würden darüber hinaus zeitnah mit den Leitungsgremien beraten.

Der Ökumenische Kirchentag ist für den 12. bis 16. Mai nächsten Jahres in Frankfurt geplant. Erst vor zwei Monaten hatten die Organisatoren entschieden, dass wegen der Corona-Pandemie die Teilnehmerzahl auf 30.000 Menschen beschränkt werden soll. Nun lässt die aktuelle Corona-Lage alle Pläne obsolet erscheinen, bei denen unter anderem auf weniger Veranstaltungen, Corona-Schnelltests, den Verzicht auf Privatunterkünfte sowie Zugangsbegrenzungen und hybride Veranstaltungen mit Übertragungen ins Internet gesetzt worden war. Um weitere Kosten zu vermeiden, könnte eine Absage ein halbes Jahr vor dem Termin der einzige Ausweg sein.

Eine Verschiebung innerhalb des Jahres 2021, so hieß es bereits, sei aufgrund der anderweitig gebuchten Messehallen in Frankfurt nicht möglich. Somit dürfte zunächst ungewiss bleiben, wann der nächste gemeinsame Kirchentag von Katholiken und Protestanten stattfinden kann. Im Jahr 2022 soll Ende Mai ein Katholikentag in Stuttgart gefeiert werden. Für 2023 lädt der Deutsche Evangelische Kirchentag Anfang Juni nach Nürnberg ein.

Am ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 hatten mehr als 200.000 Menschen teilgenommen, beim zweiten in München 2010 waren es mehr als 130.000.

epd lmw/kfr rks