Privattheater: Fördermittel können Bühnen-Sterben nicht stoppen

Privattheater: Fördermittel können Bühnen-Sterben nicht stoppen
26.10.2020
epd-Gespräch: Claudia Rometsch
epd

Düsseldorf (epd). Die Privattheater in Nordrhein-Westfalen fordern von der Landesregierung, die Bühnen von der Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen auszunehmen. "Sonst sterben die Privattheater Ende des Jahres wie die Fliegen", sagte der Vorsitzende der Privattheatergruppe des Deutschen Bühnenvereins, René Heinersdorff, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die geltenden Regeln, die einen Abstand von 1,50 Metern zwischen Besuchern im Saal vorschreiben, seien für die kleineren Privat-Bühnen "ein Todesstoß", warnte der Leiter des Düsseldorfer "Theaters an der Kö". Denn diese Maßnahme führe dazu, dass die Theater noch einmal deutlich weniger Zuschauer einlassen könnten als unter den zuvor geltenden Schutzregeln. Dadurch könnten die meisten Privatbühnen gar nicht mehr oder nur mit Verlust arbeiten.

Auch die zuletzt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) angekündigten neuen Fördermittel für die Privattheater könnten die Verluste nicht auffangen. "Das ist gut gemeint. Das sind aber Tropfen auf heiße Steine, weil das natürlich in der Masse gar nicht zu bewältigen ist", sagte Heinersdorff. Grütters hatte am Dienstag erklärt, im Rahmen des Programms "Neustart Kultur" zusätzlich 30 Millionen Euro für die Privatbühnen bereitzustellen. In Existenznot geratene Theater sollen aus diesem Topf für die laufende Spielzeit bis zu 140.000 Euro für Künstler-Gagen beantragen können. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bühnenverein konzipiert.

Das Förderprogramm sei prinzipiell gut, sagte Heinersdorff. Aber das Geld werde nur für wenige Monate reichen. Letztlich könne der Staat nicht die Finanzierung der Theater übernehmen. "Deshalb muss unbedingt bei den Corona-Regeln für die Theater nachgebessert werden, damit wieder mehr Besucher kommen können", forderte der Bühnen-Chef. Ansonsten seien auch die Hilfsprogramme am Ende umsonst. "Es wäre ja schwachsinnig Fördergelder auszugeben, um ein Sterben der Theater zu verlängern."

Ihn ärgere vor allem, dass die neuen Einschränkungen für die Theater ungerechtfertigt seien, sagte Heinersdorff. "Es gibt kein Theater, in dem bislang eine Infektion stattgefunden hat." Alle Bühnen hätten genehmigungspflichtige Hygienekonzepte vorgelegt, die peinlich genau eingehalten würden, meist mit Hilfe von zusätzlich eingestelltem Personal. Die Lüftung sei in Theatersälen mit mehr als 199 Plätzen ohnehin schon vor der Corona-Krise regelmäßig vom TÜV kontrolliert worden. "Eine einfache Regelung wäre, den Theatern eine Besetzung von 50 Prozent ihrer Plätze zu erlauben."

Wenn Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die Menschen appellierten, generell zuhause zu bleiben, sei das für die Theater eine "Katastrophe". Theater seien deutlich sicherer als Treffen in privaten Haushalten, wo die meisten Ansteckungen passierten. "Frau Merkel müsste also eigentlich sagen: Bleiben Sie im Theater", sagt Heinersdorff.